Wenn ihr nicht wisst, wie ihr eure Kinder erziehen sollt, fragt die, die keine haben. Die wissen das – Ein Rant.

Heute bin ich mal garstig. Ich bin nämlich genervt. Tut mir leid, wenn ich damit jemandem auf den Schlips trete, aber ich muss die folgenden Gedanken einfach mal loswerden!

Ich hatte vor ein paar Tagen Geburtstag und daher war hier eine weitere Familienfeier angesagt… immer wieder spannend. Zu diesen Gelegenheiten trifft auch immer wieder kinderlose Verwandtschaft auf unsere Kinder. Der Kleine hat noch Welpenschutz, der ist immer nur „süß“ oder „putzig“, aber beim Großen sieht das etwas anders aus. Da hören wir oft Ratschläge oder aber die Erziehung wird gleich von den kinderlosen Personen übernommen, denn wir sind ja offensichtlich nicht in der Lage, das richtig in die Hand zu nehmen, so wild und unerzogen unser Großer ist. Unsere „Erziehungsmethoden“ scheinen einfach nicht mit der Vorstellung übereinzustimmen, die manch kinderloser Mensch von den „richtigen Erziehungsmethoden“ zu haben scheint.

An sich möchte ich keinem Menschen seine eigene Meinung absprechen, aber wenn kinderlose Menschen sich in unsere Erziehung einmischen wollen und denken, sie wüssten, wie ein Kind sich zu benehmen hat, dann bekomme ich dezent Lust auszurasten.

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Ich weiß nicht, ob ihr das kennt. Es ist das eine, wenn jemand, der selbst Kinder hat oder vor längerem bereits großgezogen hat, versucht mir zu erzählen, wie ich mein Kind zu behandeln oder zu erziehen habe… zu dieser Sorte gehöre ich in gewisser Weise selbst, denn man denkt ja immer, wie man es macht, ist es richtig. Man kann aus einem gewissen Erfahrungsschatz schöpfen. Das ist ok. Oft nervt es, wenn die Meinung zur Erziehung der Großeltern entgegengesetzt zu meiner eigenen ausfällt, aber in diesem Fall gibt es eine Grundlage, auf der man diskutieren kann.

Nicht so bei Kinderlosen. Tut mir leid, Leute, aber ich muss das jetzt mal wirklich deutlich mit den Worten von Dieter Nuhr sagen: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten. Der einzige Erfahrungsschatz zum Thema Erziehung bzw. Kinder aus dem man schöpfen kann, wenn man nicht selbst eine oder mehrere kleine Kröten zuhause rumhüpfen hat, ist der aus der eigenen Kindheit. Und dieser Erfahrungsschatz entspricht leider in den meisten Fällen nicht dem heutigen Bild von Kindern. Das bedeutet, die vermeintliche Meinung, die man sich bildet, ist veraltet, idealisiert und ziemlich oft völlig unreflektiert. Bevor man nicht selbst Kinder hat, beschäftigt man sich in den seltensten Fällen mit den Folgen bestimmter Erziehungsmethoden und man weiß nicht, dass bereits bestimmte Worte und Formulierungen Schaden anrichten können. Man weiß nur, was „man nicht macht“ oder was sich „nunmal so gehört“. Kinder lernen beispielsweise erst mit ca. vier Jahren ihre Impulse einigermaßen zu kontrollieren. Weiß man als Kinderlose*r meistens halt nicht. Also wird ein Dreijähriger scharf von der Seite angefahren, weil er entweder laut schreit, seine Mama haut, weil er etwas nicht haben darf, oder sein Geschwisterchen schubst, das ihm gerade sein Spielzeug abspenstig machen wollte. Alles soweit altersgerecht und von den Eltern (in unserem Fall) entsprechend begleitet. Nur eben leider nicht zur Zufriedenheit der Kinderlosen. Die können gar nicht verstehen, warum die Mama nicht laut zu schimpfen beginnt oder mal einen Klaps zurück gibt. Schließlich muss das Kind doch lernen, dass das so nicht geht! Mit den eigenen Kindern wird man das natürlich alles ganz anders machen… wir reden dann einfach noch mal darüber, wenn es soweit ist!

Was auf unserer Feier vor ein paar Tagen auch vorgefallen ist, unser Kind wurde dazu genötigt, jemanden zum Abschied zu umarmen und zu küssen. Dieser jemand gehörte auch zu den kinderlosen Gästen. Wir legen nun sehr viel Wert darauf, unserem Jungen zu zeigen, dass sein Nein gehört und akzeptiert wird und dass er über seinen Körper selbst entscheiden darf. Und dann kommt da jemand und wiederholt seine eigene Erziehung an unserem Kind und versucht sich (mit dem Einsatz körperlicher Übermacht) ein Küsschen und eine Umarmung zu erpressen??? Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt leider nicht im Raum und habe die Szene nur mit einem halben Ohr mitbekommen. Dazu kommt, dass ich es ein wenig leid bin, immer die keifende Mutti zu sein, die ihre Kinder total überbehütet. Natürlich passieren solche Situationen auch mit Menschen, die selbst bereits Kinder haben, aber bei Kinderlosen begegnet mir oft die größte Ignoranz und Beratungsresistenz gegenüber Kritik. Das Resultat dieser Episode war, dass ich meinem Großen gestern noch ein weiteres Mal erzählt habe, dass er nur Küsschen geben oder umarmen muss, wenn er es wirklich will und dass er immer Nein sagen darf. Und dabei ist mir völlig bewußt, dass ein Erlebnis sich viel tiefer in sein Gehirn einbrennt, als irgendwelche Worte, die ich ihm über eine längst vergangene Situation sage. DANKE!

Besonderes Aggressionspotential wecken bei mir auch immer die gut gemeinten Ratschläge aus dem Mund von Kinderlosen. Kennt ihr den Spruch „Gut ist das Gegenteil von gut gemeint“? Trifft immer zu. „Man muss Babys auch mal schreien lassen“, „Ich würde ja nicht so mit mir sprechen lassen“. Woher wissen sie das denn so genau? Ich laufe auch nicht durch die Gegend und verteile gute Ratschläge über Dinge, mit denen ich im Detail noch nichts zu tun hatte. Mein Mann hält ein paar Aktien. Ich sollte anfangen Menschen zu ihrem Aktienportfolio zu beraten.

Ich weiß, dieser Text ist fies und wirklich nicht nett, aber wenn mich etwas nervt (und viele viele andere Eltern auch, das weiß ich), dann sind es kinderlose Menschen, die ihre antiquierten pädagogischen Weisheiten an mich weitergeben oder an meinen Kindern anwenden.

Liebe kinderlose Menschen, ja, Kinder dürfen euch nerven und ihr dürft zu allem möglichen eure Meinung haben, aber leider nicht zum Thema Kindererziehung. Wie bei ziemlich vielen Dingen, ist es beim Kinder haben und erziehen so, dass man nur weiß, wie es wirklich ist, wenn man es selbst erlebt hat. Wenn man erlebt hat, wie äußerst anstrengend und komplex es ist, wenn das Kind mitten im Supermarkt brüllend auf dem Boden liegt. Ihr würdet euch das nicht bieten und euch nicht vor allen Leuten zum Affen machen lassen? Doch, das würdet ihr, glaubt mir. Ihr würdet euch niemals von einem schreienden Baby euren Schlaf rauben lassen und es für kein Geld der Welt stundenlang die ganze Nacht herumtragen? Doch, auch das würdet ihr sehr wahrscheinlich tun, wenn euer liebstes Menschlein herzzerreißend seinen Schmerz, seine Trauer oder das Verlangen nach eurer Nähe kundtut.

Bitte, spart euch die Ratschläge, die wissenden Blicke und vor allem die übergriffigen Einmischungen in die Erziehung der Kinder anderer Leute. Der einzige Fall, wo ihr euch einmischen dürft und müsst, ist, wenn ihr mitbekommt, dass irgendwo ein Kind misshandelt wird. In allen anderen Fällen: Einfach mal die Klappe halten und denken statt reden. Peace.

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