Stressresistenz und Mamasein sind oft zwei Enden der selben Skala

Ich gehöre zu den eher unentspannten Menschen dieser Welt. Ich wäre gern mehr von der „Egal, irgendwie klappt das schon“-Sorte, bin ich aber nicht. Ich habe gerne einen Plan und dieser Plan soll dann bitte auch funktionieren, sonst werde ich nervös. Mein größter Horror sind unvorhergesehene Vorkommnisse. Vielleicht empfinde ich deswegen unser Leben auch als chaotischer als es von außen wirkt. Es gibt oft Situatioen, die mich aus dem Konzept bringen und die mich ins emotionale und gedankliche Chaos stürzen.

(Als kleiner Vermerk für aktuelle und zukünftige Arbeitgeber: das trifft nicht auf beruflichen Stress zu. Den kann ich echt gut ab. Aber Stress mit Kindern ist irgendwie eine andere Nummer.)

Am meisten Stress habe ich, wenn ich mit den Kindern allein unterwegs bin. Alles einpacken, total bepackt in der Gegend rumlaufen, schon mit nur einem Kind hat mich das immer gestresst und jetzt mir zweien noch mehr. Jetzt gibt es nämlich zwei potentielle Plan-Durchkreuzer und Problemverursacher. Vielleicht liegt es auch daran, dass mein Großer einen ziemlichen Dickkopf hat und ich nicht mit der „du machst das jetzt weil ich es sage“-Keule schwinge. Keine Ahnung, jedenfalls gibt es in meinem Kopf immer eine riesige Hürde, wenn es darum geht mit den Kindern allein irgendwas zu unternehmen. Zoobesuch, gemeinsamer Trip in die Stadt oder der große Wasserspielplatz im Wald? Allein der Gedanke verursacht mir irgendwie Unbehagen. Was, wenn beide Kinder gleichzeitig brüllen? Oder wenn der Große abhaut, während ich den Kleinen stille? Oder der Kleine signalisiert, dass sein Bedarf an Ausflügen gedeckt ist, der Große aber unbedingt noch bleiben will? Alles denkbare Situationen, die mir schon im Vorfeld die Lust auf einen Ausflug vermiesen. Ich glaube es liegt daran, dass ich gern die Kontrolle über Dinge habe und dass mit Kindern einfach unglaublich viele Dinge nicht plan- oder vorhersehbar sind und mich das beunruhigt.

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Das führt dazu, dass ich echt immer ziemlich unentspannt bin, wenn ich allein Unternehmungen mit den Kindern mache. Alle Verantwortung liegt allein bei mir und das stresst mich. Normalerweise mache ich es so, dass ich von vornherein Situationen meide, bei denen davon auszugehen ist, dass sie stressig werden können. Das ist meine Strategie, um mein Stresslevel niedrig zu halten. Allerdings ist es ja keine Lösung mit den Kindern einfach nur noch zuhause oder im Innenhof (in sicherer Entfernung zur Wohnung) etwas zu machen.

Gerate ich in stressige Situationen, fühle ich mich unruhig, gehetzt und habe ein inneres Bedürfnis, der Situation sofort zu entkommen. Klassischer Fall von Übernahme durch das Reptiliengehirn und Flucht- bzw. Kampfmodus. Meist kann und will ich aber ja nicht wegrennen, wenn ich mit und vor allem für die Kinder unterwegs bin. Ich möchte ja meinen Kindern mit meiner Neurose nicht allen Spaß verderben und sie um einen schönen Tag bringen.

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Ich versuche dann die Unternehmung so entspannt wie möglich zu gestalten. Ich habe alles mögliche dabei, was ich vielleicht brauchen könnte, auch, wenn ich es umsonst mitnehme (auch wenn es meiner Abneigung gegen zu viel Gepäck widerspricht). Ich treffe mich im besten Fall mit Leuten, die mir helfen können ein Auge auf die beiden Kinder zu werfen.

In fast 100% der Fälle ist es – oh Wunder – am Ende natürlich nicht so stressig wie befürchtet und macht Spaß. Es ist sogar besser, als zuhause rumzusitzen, aber das wissen wir ja. Noch vor einem halben Jahr, als der Kleine noch so frisch ausgebrütet war und der Große noch mitten in der Autonomiephase ohne Sinn für logische Argumentation war, habe ich mich wirklich allein so gut wie nicht aus dem Haus getraut. Damals war mein Basis-Stresslevel noch so hoch, dass ich jeden weiteren Stress nicht händeln konnte. Ich bin dann bei der kleinsten Planänderung rumgerannt wie ein hyperaktives Huhn oder war in einer Millisekunde auf 180 und bin explodiert. Das war natürlich der Situation geschuldet, denn wir waren ja alle noch in der Anpassungsphase an die neue Familienkonstellation.

So ist es heute nicht mehr, aber trotzdem fällt es mir immer wieder schwer in die Gänge zu kommen, wie man das so schön sagt. Und das ärgert mich, denn ich bringe mich und vor allem meine Kinder um schöne Momente.  Eigentlich sollten wir jeden Tag irgendwo hin gehen oder fahren und schöne Dinge unternehmen und nicht zuhause bleiben, weil Mama sich zu leicht stressen lässt.

Die Lösung? Action!

Einfach machen… ohne viel darüber nachzudenken, packe ich jetzt meistens unsere Sachen und wir gehen einfach los. Ich ignoriere das ängstliche Gefühl im Bauch und verlasse die Wohnung. Je älter die Kinder jetzt werden, umso leichter wird es. Und ich merke so gut wie jedes Mal, dass meine Befürchtungen eigentlich unnötig sind. Und wenn es doch mal stressige Situationen gibt, wenn zum Beispiel der Kleine weint, der Große aber gleichzeitig etwas von mir möchte und im Zweifel dann auch anfängt zu schreien, lasse ich das aufsteigende Gefühl der Panik und Wut nicht zu. Ich atme dann tief durch, entscheide, wer mich dringender braucht und tröste einen nach dem anderen. Die Blicke der Menschen um mich herum nehme ich in solchen Momenten dann gar nicht wahr, obwohl oft genau das meine Angst verstärkt, wenn ich Szenarien im Kopf durchspiele. Die Blicke und Reaktionen der anderen, wenn meine Kinder schreien oder nicht „hören“. Diese erhöhen meinen Stressfaktor ungemein, aber in der entsprechenden Situation sind sie mir dann egal und ich bin ganz in meiner eigenen Welt mit meinen Kindern. Auch das Wissen darum hilft mir, denn ich weiß, dass dieser Stressauslöser eigentlich gar keiner ist.

Geht es euch auch manchmal so, dass ihr beispielsweise Ausflüge mit euren Kindern einfach nicht macht, weil sie euch bereits in eurem Kopf so stressen? Ich arbeite da jetzt dran, weil ich mich mit diesem Verhalten selbst so sehr nerve.

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