Tage, an denen Mama einfach nicht mehr kann…

Wir kennen sie alle. Diese Tage, an deren Ende einfach nichts mehr übrig ist von uns. Die Tage, die uns wie kleine Zecken alle Energie aussaugen.

Solche Tage habe ich in letzter Zeit leider ziemlich häufig, weil in unserer Familie derzeit viel los ist, mein Mann sieben Tage die Woche arbeiten muss und ich dadurch mit den Kindern viel allein bin. !Achtung, dies könnte ein Jammerpost werden!

Ich bin von morgens früh den ganzen Tag lang für mindestens einen kleinen Menschen verantwortlich. Einer ist immer da und fordert Aufmerksamkeit und Zuwendung und Nähe. Die meiste Zeit des Tages sind es sogar zwei, die am besten gleichzeitig nach mir schreien. Egal, ob ich nun dringend aufs Klo muss oder den ganzen Tag nicht zum Essen komme. Aus vielen guten Ratschlägen wissen wir ja: Schlafen, wenn das Kind schläft. Essen, wenn das Kind isst usw. Wenn mein Tag zwischen 48 und 72 Stunden hätte, würde ich diese tollen Ratschläge vielleicht befolgen, aber wir wissen ja, wie viele Stunden so ein Tag wirklich hat: zu wenige!

Es beginnt bereits morgens, wenn beide Kinder gleichzeitig aufwachen, mein Mann natürlich schon aus dem Haus, und beide sofort anfangen zu brüllen. Bereits kurz nach dem Aufstehen bräuchte ich einen Klon. Wenn ich es dann irgendwie schaffe, beide Kinder mit vielen Kompromissen und noch mehr gutem Zureden zufrieden zu stellen und der Große in der Kita ist, könnte man meinen, ich hätte erst mal quasi Freizeit – wie mein Mann es letztens freundlicherweise ausdrückte: „Du hast doch nur den Kleinen, das ist doch fast wie allein zuhause sein“. Nun, der Kleine ist 8 Monate alt, beginnt gerade intensiv damit sich fortzubewegen, und zwar in alle Richtungen, bekommt mehrere Zähne gleichzeitig und ist für meinen Geschmack ja irgendwie auch noch zu unselbstständig… Mit „wie allein zuhause sein“ hat das absolut nichts zu tun. Zumal er sich nur die ersten zwei Stunden seines Tages wirklich ablegen lässt, danach gleicht das Ablegen mehr einer Speeddating-Veranstaltung mit 100 leider nicht mehr neuen Spielsachen, welches am Schluss eben doch in Mamas Armen endet.

Wenn der Große dann aus der Kita zurück ist, geht das Zerreißen wieder los. Der Große will spielen. Moment, der Kleine hat Hunger. Warte kurz. Der Große will wieder spielen. Moment, der Kleine ist müde. Warte, ich lege ihn kurz ins Bett. Der Große will spielen. Schatz, lass mich eine Minute auf der Couch ausruhen. Oh, jetzt ist der Kleine wieder aufgewacht. Warte, ich muss ihn eben holen gehen, bevor er aus dem Bett fällt. Der Große will spielen. Ja, der Kleine auch. Und zwar mit den Spielsachen vom Großen. Schatz, lass doch das Baby sich das mal anschauen. Er macht es nicht kaputt und es gehört dann immer noch dir. Nein? Ok, warte, ich suche etwas, was er heute noch nicht hatte, damit wir spielen können. Hm, da gibt es aber nichts mehr. Denn der Kleine will natürlich immer die Sachen vom Großen haben. Und ich bin die schlechteste Mutter der Welt. Ich kriege es nicht mal hin, meinem großen Jungen 10 Minuten Spielzeit mit mir zu schenken.

So sehen meine Nachmittage ziemlich oft aus. Und dann kommt auch schon der Abend. Aktuell nimmt er etwas mehr Struktur an, weil der Große konsequent keinen Mittagsschlaf mehr macht und daher nicht mehr abends bis 23:00 Uhr wach bleibt. Aber auch abends habe ich selten Zeit, um einen Moment etwas Energie zu tanken. Der Kleine möchte um diese Zeit überhaupt nicht mehr weg von mir, aber in der Trage geht natürlich auch nicht. Der Große schickt den Papa auch bei allem Möglichen weg mit den Worten „Nein, die Mama soll das machen“. Essen machen, Windel wechseln, Zähne putzen. Es kommt nicht so oft vor, dass der Papa da mitmachen darf. Seit der Geburt des Kleinen gezwungenermaßen ab und zu. Einschlafbegleitung: seit 3 1/2 Jahren durchgängig meine Aufgabe. Natürlich begleite ich meine Kinder grundsätzlich gerne in den Schlaf, ich weiß ja, dass es nur von begrenzter Dauer ist auf die gesamte Lebenszeit gerechnet, aber trotzdem lastet die Aufgabe jeden Abend schwer auf meinen Schultern. Und für die, die jetzt mit Ratschlägen kommen. Haben wir ausprobiert. Ja, das auch. Hat nicht geklappt. Beim Einschlafen kennt der Große keine Kompromisse. Wenn ich in der Wohnung bin, will er, dass ich ihn ins Bett bringe und da wir nichts davon halten, ihn mit Gewalt mit Papa im Schlafzimmer einzusperren bis er sich unserem Willen gebeugt hat, lege ich mich eben mit ihm hin.

Das Ergebnis ist aber leider, dass mein Kreislauf total in den Keller sackt, ich super matschig in der Birne werde und mir übel wird, weil ich müde und ausgepowert bin. Ich habe diesen Zustand jetzt schon einige Zeit beobachtet und bin mir sicher, dass ich keinen chronischen Magen-Darm-Virus habe. Wenn der Tag zu anstrengend, zu lang oder zu nervig war, wird mir abends einfach schlecht vor Erschöpfung. Das hatte ich bereits als Jugendliche, nur war ich da eher selten so ausgelaugt vom Tag. Ruhe ich mich aus, wird es sofort besser, aber dazu kommt es oft eben erst, wenn ich schlafen gehe.

Zum Glück sind aber nicht alle Tage solche Tage. Zum Glück gibt es auch die schönen Tage, die einem Kraft geben. An denen man eben doch Zeit hat auch mal etwas für sich selbst zu tun. Wie zum Beispiel bloggen. Oder baden. Oder Kaffee trinken und quatschen mit lieben Freundinnen. Wenn Kinder noch sehr klein sind und viel von uns brauchen, passiert es schnell, dass man über seine eigenen Kräfte hinaus geht. Ich versuche mir, wenn ich merke, die schlechten Tage nehmen Überhand, kleine Energiequellen zu schaffen. Oft lege ich mich dann wirklich mit dem Kleinen vormittags zum Schlafen hin und lasse den Haushalt einfach liegen. Oder ich gehe allein raus, sobald mein Mann von der Arbeit kommt. Oder ich höre beim Kochen ein schönes Hörbuch, das mich in seinen Bann zieht und mit dem ich mich kurzzeitig aus meinem Alltag stehlen kann.

Am wichtigsten ist, in anstrengenden Zeiten gut auf sich zu achten und in sich hinein zu hören. Um zu wissen, wann es Zeit ist, die Energie-Notbremse zu ziehen. Und man sollte versuchen für ausreichend Schlaf zu sorgen. Bei mir steht und fällt alles mit meinem Schlaflevel. An blöden Tagen gehe ich dann eben ins Bett, ohne die Erledigungen, die ich mir für abends aufgehoben habe. Die meisten Dinge können warten. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag und nach dem Aufstehen sieht die Welt dann eben doch wieder viel rosaroter aus.

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