Lasst eure Babys schlafen wo, wie und wann sie wollen!

Ich treffe in letzter Zeit immer wieder frisch gebackene Eltern, die mich fragen, wie das denn nun sei mit den Einschlafgewohnheiten bei ihrem Baby. Ob sie etwas falsch machten, wenn sie das Baby nicht immer um die gleiche Uhrzeit ins Bett bringen, oder ob es schlimm sei, wenn das Baby nach dem ersten Aufwachen nicht mehr in seinem Beistellbettchen schlafen möchte. (Auf die Angst vor dem plötzlichen Kindstod möchte ich hier nicht eingehen, dazu habe ich bereits hier ausführlich geschrieben.)

Nachdem ich nun zwei Kinder in ihren ersten Lebensmonaten jeden Abend in den Schlaf begleitet habe, kann ich folgendes sicher sagen:

Man kann bei ganz kleinen Babys den (Ein-)Schlafrhythmus nicht beeinflussen. Die Kinder können zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht lernen, dass sie um die gleiche Zeit ins Bett gehen sollen oder dass sie nicht an der Brust einschlafen dürfen. Sie folgen einzig und allein ihren Bedürfnissen und sind nicht in der Lage Wünsche der Eltern wahrzunehmen, geschweige denn diese umzusetzen.

Es ist also völlig in Ordnung und sogar von der Natur so gewollt, dass ihr den Schlaf und alles, was damit zu tun hat, einfach nach den Bedürfnissen des Babys richtet.

Eure Babys dürfen bei euch auf der Couch bzw. auf euch schlafen, bis ihr ins Bett geht. Sie wollen nicht im Schlafzimmer allein liegen, nur weil eure Oma/Mutter/Nachbarin sagt, Kinder gehören um 8:00h ins Bett und am besten sie lernen es von klein an. Neugeborene und sehr kleine Babys haben noch gar kein Gefühl für Zeit, es ist nur Quälerei für euch und für das Baby, wenn ihr versucht bestimmte Uhrzeiten „anzugewöhnen“. In diesem Alter KANN ein Kind sich schlicht nicht an etwas gewöhnen.

Eure Babys dürfen im Bett neben euch liegen, weil sie im Beistellbett oder im eigenen Bett ständig wach werden oder unruhig schlafen. Sie wollen bei euch sein, eure Nähe spüren, sicher sein, dass kein Tiger kommt und es im Schlaf frisst. Das Gehirn eures Babys ist noch nicht in der Neuzeit angekommen. Seine Funktion ist die, die sie auch schon zu Zeiten des Neandertalers war. Damals war die unmittelbare Nähe zu den Bindungspersonen die einzige Sicherheit, die ein Baby im Schlaf hatte.

Eure Babys dürfen beim Stillen an der Brust einschlafen. Es ist für sie der schönste Ort der Welt. Würdet ihr nicht auch an eurem Lieblingsplatz mit einem Gefühl absoluter Sicherheit schlafen wollen? Meinen großen Sohn habe ich länger als 2 Jahre in den Schlaf gestillt und er ist heute sehr gut in der Lage völlig ohne Brust, ja, sogar ohne Körperkontakt einzuschlafen. Es war auch kein Kampf ihm das Einschlafen mit Hilfe des Stillens abzugewöhnen. Denn das hört man ja immer wieder: „Der gewöhnt sich das an. Der wird dann nie ohne Brust schlafen wollen“. Ich hab es ausprobiert und kann sagen: doch, wird er!

Eure Babys dürfen nachts aufwachen und Hunger oder Durst haben. Ihr müsst ihnen keine längeren Schlafphasen antrainieren (falls ihr denkt, ihr kennt eine Methode, mit der man dies schaffen könnte). Ja, es ist anstrengend, vor allem in den ersten Monaten, wenn man es a) noch nicht gewohnt ist nachts oft wach zu sein und b) die Aufwachfrequenz der Babys noch sehr hoch ist. Aber der Magen eures Babys ist noch sehr klein und Muttermilch ist nach ca. 90 Minuten verdaut. Eine Bekannte von mir fing irgendwann nach den ersten Monaten an dem Kind ein Fläschchen mit Wasser ins Bett zu stellen, damit sie nicht mehr ständig aufstehen muss, wenn das Kind nachts aufwacht und Durst hat. Klingt absurd? Finde ich auch! Babys haben nachts Hunger und Durst. So ist das leider. Auch ein Fläschchen mit Pulvermilch wird das übrigens vermutlich nicht nennenswert ändern.

Wenn eure Babys soweit sind, werden sie euch signalisieren, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt abends müde sind und ins Bett gebracht werden wollen. Sie werden zeigen, dass sie auch ohne Brust einschlafen können indem sie sich kurz bevor sie einschlafen vielleicht wegdrehen. Ihre Schlafphasen werden automatisch länger. Aber dazu müsst ihr nichts tun, ihr müsst es ihnen nicht antrainieren oder sie an irgendwas gewöhnen. Wenn es um den Babyschlaf geht, wissen die Kleinen selbst am allerbesten, wie sie etwas haben wollen und handeln einfach nach ihren Instinkten und Bedürfnissen. Es lohnt nicht, Energie und Zeit zu verschenken, die man genauso gut damit verbringen kann, sich an seinem Kind zu freuen und es zu kuscheln und einfach zu lieben.

Seid entspannt, nehmt die Schlafgewohnheiten eures Kindes wie sie eben sind und seid euch sicher, dass es nie so bleiben wird, wie ihr denkt. Ach ja, und lasst Oma/Mutter/Nachbarin bitte quatschen und tut was sich für euch richtig anfühlt. Wenn es sich richtig anfühlt, ist es in 99% der Fälle auch der richtige Weg.

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