Wenn das zweite Kind kommt und NICHT die große Geschwisterliebe ausbricht

So liebe Leute, jetzt wird es persönlich. Ich habe lange überlegt, ob ich hier von unserer aktuellen Situation erzählen soll. Ich glaube aber, dass es öfter Probleme in Familien gibt, wenn ein Geschwisterkind geboren wird. Daher ist es vielleicht für einige interessant zu lesen, wie es uns ergangen ist. Nun aber erst mal alles auf Anfang:

Unser Chaosbaby ist jetzt schon fast 8 Monate alt und leider ist beim Großen nach wie vor nicht die große Liebe ausgebrochen. So gerne ich es hätte, dass er mir begeistert bei der Babypflege hilft oder ich mir wünsche, ich müsste ihn bremsen beim Herzen des kleinen Bruders, die Realität sieht bei uns leider anders aus.

Natürlich habe ich mir vorgeburtlich unglaublich viele Gedanken darüber gemacht, wie ich unserem Großen die Umstellung so leicht wie möglich machen kann. Ich habe den Artikel „Die Entthronung der Erstgeborenen“ vom Gewünschtesten Wunschkind mehrere Male gelesen und habe auch mit dem Gedanken gespielt ihn möglicherweise auswendig zu lernen. Schon in der Schwangerschaft zeigte er wenig bis gar kein Interesse an meinem Bauch oder an dem Baby darin, von dem wir ihm immer wieder erzählten.

Die Umstände der Geburt unseres zweiten Sohnes waren leider mehr als bescheiden. Bei mir wurde 2 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin eine Präeklampsie festgestellt und ich musste von jetzt auf gleich stationär in die Klinik. Als ich mich von meinem damals einzigen Kind verabschiedete, hatte ich noch die Hoffnung, ich könnte nach ein paar Tagen wieder bei ihm zuhause sein. Leider wurden aber durch wirklich blöde Umstände aus den erhofften paar Tagen insgesamt 3 Wochen. Mein armes Kind, was vorher noch nie länger als ein paar Stunden ohne mich gewesen war, war also plötzlich ohne einen für ihn begreifbaren Grund ohne seine Mama.

Er kam mich in der Klinik immer spätestens alle 2 Tage besuchen, aber ich merkte, wie sich die Trennung auf unsere Beziehung auswirkte. Er war wütend, todunglücklich und unglaublich verunsichert.

Nach der Geburt konnte er mit dem kleinen, meist schlafenden Bündel überhaupt nichts anfangen. Durch die Hormone und den Beschützerinstinkt, den ich dem neuen Kind gegenüber entwickelte, veränderte sich das Verhältnis zu meinem Erstgeborenen. Ich war in den 2 Wochen, die ich post partal noch in der Klinik bleiben musste auch zu sehr mit mir selbst beschäftigt, um mich zu 100% in den Großen einzufühlen. Ich war sehr krank und erhielt eine Hiobsbotschaft nach der anderen.

Als ich dann endlich wieder zuhause war, erschöpft vom langen Krankenhausaufenthalt, der Erkrankung und den kurzen Nächten wegen des Babys, war die Beziehung zu meinem geliebten Erstgeborenen eine völlig andere. Er hatte sich verändert in der Zeit, in der ich nicht da gewesen war. Wann war er denn nur so groß geworden?! Zu diesem Zeitpunkt habe ich ihn noch nicht abgestillt, aber merkte bereits, dass ich keine Tandem-Stillerin werden würde.

Hormonell bedingt entwickelte ich richtige Aggressionen gegen den Großen, wenn er an die Brust wollte oder wenn er versuchte mich am Stillen des Babys zu hindern. Oder wenn er völlig unvermittelt nach dem Kleinen schlug. Innerhalb von 3 Wochen stillte ich den Großen also ohne Rücksicht auf seine Wünsche endgültig ab. Ein unfassbar schlecht „gewählter“ Zeitpunkt dafür. Das ist mir bewußt, müsst ihr mir nicht sagen. Wurde mir in der Zwischenzeit auch bereits ungefähr drölfhunderttausend mal gesagt. Zusammen mit einer Schuldzuweisung an mich natürlich. Ich dachte in der Schwangerschaft, ich tue ihm einen Gefallen, wenn ich ihn weiter stillen lasse, weil er es so brauchte. Hat sich als der falsche Weg herausgestellt. Oder nicht. Keine Ahnung, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen und die Entscheidung anders treffen. Daher ist es müßig darüber zu sinnieren was gewesen wäre wenn.

Eine liebe Freundin sagte mir anfangs, Kinder brauchen ca. 16 Wochen, um die Entthronung zu verkraften. Also übte ich mich in Geduld. Ich versuchte dem Großen so viel Verständnis entgegen zu bringen, wie es mir möglich war. Ich versuchte ihm Exklusivzeit zu schenken, wo es ging. Ich wußte, sein aggressives Verhalten gegenüber dem Brüderchen galt nicht dem Baby, sondern mir bzw. uns. Wir schimpften ihn nie aus für sein Verhalten.

Es wurde zugegebenerweise mit der Zeit auch etwas besser. Er schlägt nicht mehr unvermittelt nach dem Kleinen und bringt ihm gelegentlich Spielzeug. Er möchte aber nach wie vor weder angeschaut noch berührt werden von seinem Bruder und kümmert oder sorgt sich nicht um ihn. Ich vermute hier etwas mehr, als eine „nur“ längere Gewöhnungszeit an die neue Familiensituation. Daher haben wir entschieden, uns Hilfe von einer Therapeutin zu holen, die sich mit Krisen im Kleinkindalter beschäftigt. Sie soll uns helfen herauszufinden, woran es liegt, dass das Chaoskind solche Probleme hat, sich mit der neuen Familiensituation anzufreunden.

Ich werde euch hier auf dem Blog ein wenig von unseren Sitzungen erzählen und euch auf unsere Reise mitnehmen.

Unterschrift für Blog

 

 

2 thoughts on “Wenn das zweite Kind kommt und NICHT die große Geschwisterliebe ausbricht

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s