Gute Betreuungseinrichtungen leichter erkennen

Wie in den meisten anderen größeren Städten in Deutschland, ist es auch in Darmstadt nicht ganz leicht eine Betreuungseinrichtung für sein Kind zu finden. Wenn man dann noch Ansprüche an das pädagogische Konzept der Einrichtung hat, wird es richtig kompliziert. Woran du eine gute Betreuungseinrichtung erkennst, möchte ich hier versuchen zu klären. Natürlich ist „gut“ in diesem Zusammenhang immer ein relativer Begriff. Ich meine mit „gut“ eine Einrichtung, mit deren Umgang mit den Kindern ich d’accord gehen kann und die in die selbe Richtung Werte vermittelt wie ich zuhause. Für mich zum Beispiel war es sehr wichtig, dass die Kinder für vermeintlich schlechtes Verhalten nicht mit dem stillen Stuhl o.ä. bestraft werden, oder dass sie begleitet werden, wenn sie weinen.

Wie kann man aber nun ein Urteil fällen über eine Einrichtung, die man vielleicht nur zum Vertragsgespräch sieht? Das ist leider ein großes Problem, wenn Betreuungsplätze rar sind, da man keine Auswahl an Einrichtungen hat. Mit Hilfe einiger Freundinnen, die ähnliche Ansprüche an eine Fremdbetreuung haben wie ich, habe ich ein paar Dinge zusammen getragen, die für uns eine gute Einrichtung ausmachen:

  • Die Eingewöhnung erfolgt nach dem Tempo deines Kindes. Bekommt man nur zu hören „Wir gewöhnen nach dem Berliner Modell ein“, sollte man trotzdem noch mal genauer nachfragen, was mit Kindern passiert, die sich schwer tun mit der Trennung und die vielleicht auch nach 6-8 Wochen noch nicht angekommen sind. Wie geduldig ist man letztendlich?
  • Es gibt keinen stillen Stuhl, wo die Kinder hin müssen, wenn sie „unartig“ waren.
  • Dein Kind wird auch nach der Eingewöhnungszeit noch von Arm zu Arm übergeben, wenn es das für die morgendliche Trennung braucht.
  • Es wird morgens mit Namen begrüßt.
  • Es gibt eine/n Bezugserzieher/in (auch im Kindergarten).
  • Dein Kind darf sich aussuchen, ob es Mittagsschlaf machen möchte oder nicht. Wenn es nicht schlafen möchte, wird es nicht dazu „gezwungen“ und muss auch nicht ruhig neben den schlafenden Kindern liegen, sondern darf im Gruppenraum unter Aufsicht einer ruhigen Beschäftigung nachgehen.
  • Man ist bereit, Einschlafrituale von zuhause, wie zum Beispiel das Einschlafen mit Körperkontakt oder in einer Tragehilfe zu übernehmen, bis das Kind bereit ist, dem Ritual der Gruppe zu folgen. Das gilt vor allem für die Betreuung unter 3.
  • Die Kinder dürfen jederzeit Spielsachen von Zuhause mit in die Einrichtung bringen und müssen sie nicht in der Garderobe lassen.
  • Bezugserzieherin kommt entweder nach Hause oder lernt das Kind in der Einrichtung vor dessen erstem Tag kennen.
  • Ihr werdet bereits vor dem Start des Kindes in der Einrichtung zu Festen oder Eltern-Kind-Nachmittagen eingeladen.
  • Dein Kind darf die Einrichtung vor seinem Start dort im laufenden Betrieb besuchen, um die Räumlichkeiten und Gruppe schon vorher kennen zu lernen.
  • Es wird viel mit den Kindern raus gegangen, es gibt regelmäßig Ausflüge, damit die Kinder etwas Abwechslung haben.
  • Die Aktivitäten, die unternommen werden (ob in Form von Ausflügen oder in der Einrichtung selbst) orientieren sich am Alter der Kinder.
  • Es ist ein Pikler Wickeltisch vorhanden, d.h. ein Wickeltisch, auf den die Kinder allein mittels Treppe hoch kommen und auf dem sie sich entscheiden können, ob sie im Liegen oder im Stehen gewickelt werden wollen.
  • Die Kinder werden anfangs nur von ihrer Bezugsperson gewickelt, bis sie auch ein Vertrauensverhältnis zu anderen ErzieherInnen aufbauen konnten.
  • Die Sauberkeitsentwicklung der Kinder wird nach den Bedürfnissen des jeweiligen Kindes aktiv gefördert, auch „Unfälle“ werden in Kauf genommen; dem Kind wird also nicht aus Bequemlichkeit in der Einrichtung eine Windel angezogen mit der Aussage, es solle zuhause erst mal lernen ohne Windel zu sein.
  • Die Kinder werden aber auch keinem „Töpfchentraining“ ausgesetzt oder sollen zu bestimmten Zeiten kollektiv auf die Toilette gehen.
  • Die Kinder putzen nach dem Essen gemeinsam ihre Zähne.
  • Es wird gesundes Essen angeboten (im Idealfall in Bio-Qualität).
  • Die Kinder müssen beim Essen nicht sitzen bleiben, bis alle fertig sind.
  • Die Kinder müssen nicht probieren und müssen ihren Teller nicht leer essen.
  • Den Kindern steht immer Wasser zur Verfügung und sie werden idealerweise  regelmäßig zum Trinken angehalten, sollten sie es während des Spiels vergessen.
  • Im ErzieherInnen-Team herrscht eine positive Stimmung (hier muss man auf sein Bauchgefühl hören und einfach negative Schwingungen erspüren, soweit das geht).
  • Das ErzieherInnen-Team besteht nicht nur aus ErzieherInnen der „alten Schule“, sprich, es gibt auch junge ErzieherInnen, die auch modernen Erziehungskonzepten gegenüber aufgeschlossen sind. Natürlich können auch ErzieherInnen der „alten Schule“ sehr liebevoll mit den Kindern sein, allerdings ist es oft so (muss aber natürlich nicht!), dass jemand jenseits der 50 noch ein recht veraltetes Bild von Kindern hat, was dann mit neueren Erziehungsmethoden kollidieren kann (Stichwort Teller aufessen oder Aussagen wie „Ist ja nichts passiert“ etc.).
  • Die Kinder werden nicht gezwungen, an Bastel- oder Malaktionen teilzunehmen, sie müssen also nichts herstellen, wenn sie nicht wollen.
  • Es sollte genügend Raum für die Fantasie der Kinder geben (z.B. durch einen Verkleidungsraum oder ähnliches), nicht alle Spiele sollten nur eine mögliche Art haben, wie sie gespielt werden können (Stichwort Montessori-Spielzeug).
  • Ein guter Betreuungsschlüssel ist immer wichtig. Stehen mehr Erzieherinnen zur Verfügung, als das Land es vorschreibt, ist das natürlich immer toll und zeigt die Wertschätzung gegenüber der Kinder.

Zusätzliche Tipps:

  • Achte auf die Sprache der Leitung/Erzieherinnen beim Vertragsgespräch. Wie spricht sie über die Kinder? Freundlich und verständnisvoll oder von oben herab?
  • Nimm dein Kind mit zum Vertragsgespräch und schau, wie es auf die Einrichtung und die Erzieherin/Leitung reagiert.

Neben all diesen Punkten, die für dich natürlich nicht alle relevant sein müssen bei der Wahl der richtigen Einrichtung, ist dein/euer Bauchgefühl von entscheidender Bedeutung. Hast du ein komisches Gefühl, obwohl die Einrichtung viele der oben genannten Punkte erfüllt, lohnt es sich noch einmal darüber nachzudenken und herauszufinden, was dein Bauchgefühl verursacht.

Anhand dieser Liste kannst du dir nun einige Fragen aufschreiben, die du bei eurem Besuch in der Betreuungseinrichtung stellen möchtest, oder du kannst dir einen Spickzettel schreiben, mit Dingen, auf die du gern gesondert achten willst. Nicht alles aus der Liste oben lässt sich ja über Fragen klären, einiges ergibt sich auch einfach aus Beobachtung.

Ich möchte hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, diese Liste kann sicherlich noch erweitert werden. Es ist mir auch sehr wichtig zu sagen: Einrichtungen, die bestimmte Punkte aus der Liste nicht erfüllen, sind nicht automatisch schlechte Einrichtungen. Es liegt ganz an dir zu überlegen, welche Dinge dir wichtig sind und was einfach nicht. Allein DEINE persönliche Liste mit Kriterien bestimmt, ob du eine Einrichtung gut findest. Mit dieser Aufzählung möchte ich dir nur eine Hilfestellung geben, auf welche Punkte du überhaupt achten könntest. Als wir unseren älteren Sohn in der Krippe anmeldeten, hätte ich gern eine solche Liste gehabt, ich hatte damals nämlich keine Ahnung, worauf ich achten soll und welche Fragen wichtig sind. Daher hoffe ich, ich kann dir ein wenig die Unsicherheit nehmen was die Wahl der Krippe, Tagesmutter oder des Kindergartens angeht.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass auch eine solche Liste die Problematik nicht löst, dass man sich oft einfach nicht aussuchen kann, wo man einen Platz bekommt und damit, wie oben schon gesagt, die Katze im Sack kaufen muss. Aber du kannst dich so möglicherweise bewusster für oder gegen eine Fremdbetreuung entscheiden.

Wenn du weißt, dass es in deiner Stadt sehr schwer ist überhaupt einen Betreuungsplatz zu bekommen, melde dein Kind früh genug bei den für dich in Frage kommenden Einrichtungen an. Das kann auch durchaus bereits ein Jahr vorher sein. Nutze alle Möglichkeiten, die dir zur Verfügung stehen, um an Informationen zu kommen. Informiere dich über Freunde und Bekannte, die ihre Kinder vielleicht in die relevanten Einrichtungen bringen. Dann kannst du dir einige Fragen aus Eltern-Sicht beantworten lassen und kannst auf unverblümtere Antworten hoffen :-). Eventuell haben Einrichtungen auch auf ihrer Homepage Informationen zu ihrem pädagogischen Konzept, mit deren Hilfe du schon sagen kannst, ob du dort überhaupt auf die Warteliste möchtest. Und, auch wenn man telefonisch oft abgewimmelt wird, bei uns hat es immer geholfen persönlich zu erscheinen und nach dem Stand der Platzvergabe zu fragen.

Habe ich aus deiner Sicht etwas vergessen, was unbedingt auf die Liste muss oder hast du Feedback für mich? Dann schreibe mir gern an denise@kidzchaos.com.

Zuletzt möchte ich noch meiner besten Freundin Carina, sowie meinen Freundinnen aus meinem Mütterteam Annik, Diana, Sina und Jana für ihren Input danken. Ohne euch hätte ich nicht so viel zusammen tragen können. Ihr seid die besten!

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