Wie ich eine Flylady wurde oder: den Haushalt mit Kindern organisieren

Mit kleinen Kindern den Haushalt so in Ordnung zu halten, dass man unangekündigt Besuch hereinlassen kann, ist oft gar nicht so einfach. Vor allem dann, wenn die Kinder noch sehr klein sind und sich nicht lange alleine beschäftigen können. Bei uns war es eine Zeit lang so, dass ich mich eigentlich immer nur bei anderen Zuhause getroffen habe, aber nie jemanden zu uns eingeladen habe, weil ich nicht Herrin über das Chaos geworden bin und es mir unbeschreiblich viel Stress gemacht hat, die Wohnung in einen vorzeigbaren Zustand zu bekommen.

Wir haben den Haushalt lange so organisiert, dass ich die Woche über das nötigste wie spülen, kurz saugen oder ein wenig aufräumen gemacht habe und wir dann immer samstags (manchmal sogar erst sonntags) gemeinsam alles erledigt haben, was zu machen war. Mein Mann hilft mir im Haushalt vorbildlich mit, unsere Art der Organisation hatte aber zur Folge, dass unser Wochenende immer zur Hälfte mit nervigen Haushaltsaufgaben vollgestopft war, was sowohl meinem Mann, als auch mir schlechte Laune gemacht hat, weil es immer in Stress und Zwang ausgeartet ist. Wir wollten ja auch nicht leben wie die Flodders. Also haben wir wertvolle Familienzeit mit Putzen und Aufräumen verbracht. Das war so gar nicht cool und ich wurde innerhalb der Woche von Tag zu Tag unzufriedener, weil ich mich unwohl gefühlt habe in der stetig unordentlicheren und schmutzigeren Wohnung. Bei mir gilt nämlich ganz klar: zeig mir den Zustand deiner Wohnung und ich sage dir, wie es in deinem Inneren aussieht. Um in meinem Seelenleben Ordnung zu haben, muss es auch um mich herum ordentlich sein. Daher musste sich diesbezüglich dringend etwas ändern.

So wurde ich eine Flylady

Ich bin Teil eines Teams aus ca. 20 Mamas, die sich im Alltag mit Kindern immer gegenseitig unterstützen und sich Halt geben. In diesem Team ging es fast allen ähnlich wie mir was den Haushalt angeht. Eine von uns kam dann vor ein paar Wochen mit einem System um die Ecke den Haushalt mit Leichtigkeit zu schmeißen, von dem ich euch jetzt ein wenig erzählen will. Einige von uns sind zu sogenannten „Flyladies“ geworden. Das Prinzip der Flylady basiert auf der Idee der Amerikanerin Marla Cilley, die ihre Hausarbeiten in kleine, überschaubare Päckchen aufgeteilt hat und damit Herrin des Chaos in ihrem Leben wurde. Ich will hier nicht ins Detail gehen, sondern möchte euch erzählen, wie ich das Flyladysystem für mich abgewandelt habe, um auch in unserer Wohnung Herrin über das Chaos zu werden. Dabei habe ich nicht alles übernommen, was Flylady normalerweise macht, sondern habe es für unsere Bedürfnisse passend abgewandelt. Wen es interessiert, wie Flylady ganz streng genommen funktioniert, der kann sich gern auf www.flylady.net alles anschauen.

Haushaltsorganisation in kleinen Häppchen

Für mich und meine Haushaltsorganisation waren vor allem die täglichen Routinen, die ein wichtiger Bestandteil bei Flylady sind, eine unbezahlbare Entdeckung. Diese Routinen sorgen dafür, dass unsere Wohnung eigentlich jederzeit vorzeigbar ist. Es gibt Morgenroutinen und Abendroutinen, die jeden Tag wiederkehren. Meine Routinen sehen folgendermaßen aus:

Morgenroutine:

  • Die Kinder und mich hübsch machen
  • Betten machen
  • Spülmaschine ausräumen (falls nötig)
  • Waschmaschine anmachen (a load a day keeps mount washmore away :-))
  • Badezimmer-Waschbecken auswischen
  • Toilette mit Klobürste reinigen
  • Wasser für den Tag bereitstellen (damit ich genug trinke)
  • Müll rausbringen

Abendroutine:

  • Wohnzimmer aufräumen
  • Esstisch abwischen
  • Küche sauber machen (die Spüle zum Glänzen bringen ist ein zentraler Punkt bei Flylady)
  • Spülmaschine anmachen
  • Kalender für den nächsten Tag checken
  • Kleidung für den nächsten Tag rauslegen

Der Trick bei den Routinen ist, sich alles in kleine Häppchen aufzuteilen, damit man es auch über einen langen Zeitraum macht und nicht unterwegs irgendwo die Motivation verliert. Ein Grundsatz bei Flylady ist „ein bisschen ist besser als nichts“ und das hilft ungemein. Unter dem Motto steht auch die sogenannte 5-Minuten-Raumrettung oder die Beseitigung eines Hotspots in 5 Minuten. Man stellt einen Timer und macht nur so viel, wie man in diesen 5 Minuten schafft. Ein Hotspot ist ein Fleck im Raum, wo man gewöhnlich einfach alles ablegt. Das kann der Esstisch sein, oder ein Sideboard im Flur oder oder… ein Fleck, der grundsätzlich unordentlich aussieht und den Raum total unruhig erscheinen lässt.

Neben den Routinen gibt es noch einen groben Plan, was ich an jedem Tag zusätzlich noch erledigen will. Zum Beispiel Badezimmer gründlich putzen am Montag, gründlich saugen am Dienstag usw. Das habe ich einfach auf unsere Wohnung zugeschnitten, damit alles abgedeckt ist, was eben so anfällt.

Zusätzlich zu den Routinen und meinem groben Putzplan für die 5 Wochentage habe ich damit angefangen, einen wöchentlichen Essenplan zu machen, denn es war oft so, dass ich mir erst morgens überlegt habe, was ich mittags gern essen möchte (unser großer Sohn isst in der Kita und mein Mann in der Kantine) und dann dafür noch einkaufen musste. Das war eine unglaubliche Zeit- und Geldverschwendung und hat mir eine Menge Stress verursacht. Jetzt plane ich freitags oder samstags für die kommende Woche und kaufe dann alles was ich brauche direkt in einem Wocheneinkauf ein. So kaufe ich nichts mehr, was wir eigentlich nicht brauchen, gebe deutlich weniger Geld aus und werfe fast nichts mehr weg.

Ausmisten tut gut!

Zu guter Letzt habe ich dann noch das „große Ausmisten“ von Flylady übernommen. Anfangs mistet man täglich, später nach Bedarf 15 Minuten lang Dinge aus, die man nicht braucht und die einem Platz wegnehmen. Das hat sich für mich angefühlt wie ein Befreiungsschlag :-). Man merkt gar nicht, wie viel Zeug man in den eigenen 4 Wänden anhäuft. Ohne den ganzen „Clutter“ sieht ein Zimmer auch direkt viel ordentlicher aus.

Auch mit wenig Zeit Ordnung halten

Dank der Anregung von Flylady habe ich wieder das Gefühl, dass ich unseren Haushalt im Griff habe. Die Routinen schaffe ich mal besser, mal schlechter und in den letzten Wochen nur zum Teil, weil wir jetzt wochenlang abwechselnd alle krank waren hier, aber insgesamt kann ich sagen, dass es wirklich funktioniert und für mich eine große Erleichterung im Alltag ist. Ich kann es nur jedem, der das Gefühl hat im Chaos zu versinken ans Herz legen, es auszuprobieren. Das tolle daran ist, dass man immer nur kurze Zeitintervalle etwas macht und die Arbeiten so ganz wunderbar in kurze Schlafphasen von Kindern packen kann und vielleicht trotzdem noch etwas Zeit für sich selbst übrig hat. Ich für meinen Teil will einfach nicht jede Minute, die die Kinder keine unmittelbare Betreuung durch mich brauchen mit Haushalt verbringen. Aber schlafen, wenn das Kind schläft und putzen, wenn das Kind putzt, geht ja bekanntermaßen auch nicht.

Kurze Anmerkung: als ich meiner Mutter von meiner neuen Organisationserrungenschaft erzählte, lachte sie kurz und sagte „Das mache ich immer so, dafür muss ich mir keine Routinen aufschreiben. Ich brauche keine Erinnerung an der Wand, dass ich mich anziehen muss, oder die Küche noch zu machen ist“. Da hat sie vermutlich Recht und einige von euch werden auch sagen „Was ist denn das für ein Quatsch, das mache ich doch sowieso alles schon so“, aber vielleicht gibt es ja noch mehr Menschen wie mich und meine Mamafreundinnen, die eben doch einen Plan brauchen, um sich besser zu organisieren und dadurch glücklicher, ordentlicher und fröhlicher zu sein. Mehr für die gilt: Pläne beseitigen das Chaos im Kopf 😛

Falls ihr euch übrigens fragt, was das ganze Thema mit einem Blog zu Bindung, Gleichwürdigkeit und Achtsamkeit zu tun hat, ist meine Antwort: wenn ich durch die Aufteilung der Haushaltsaufgaben mehr Zeit für mich habe, gehe ich definitiv achtsam mit mir selbst um und kann dadurch auch geduldiger und gerechter mit meinen Kindern sein. Und Gleichwürdigkeit erfordert viel Geduld :-).

Wenn ihr Fragen zu meinem abgewandelten Flylady-System habt, schreibt mir doch ein Kommentar oder eine Nachricht auf kontakt@kidzchaos.com. Ich melde mich dann gerne zurück.

Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an meine Mädels, die Flyladys Diana, Hanna, Jana, Katrin, Leonie, Marlene, Nadja, Sina, Sophie und Tami, die nie müde werden sich gegenseitig zu motivieren. Ihr seid toll ❤️!

Unterschrift für Blog

 

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