Kinder und unser Hang zu vorschnellen Verurteilungen

Vor kurzem habe ich eine Situation im Kinderturnen beobachtet, die mir tagelang nicht aus dem Kopf ging:

Ein kleiner Junge (er war vermutlich keine 2) wird von einem etwas älteren Kind aus Versehen angerempelt, lässt seine Wasserflasche fallen und es spritzt Wasser auf den Boden. Er kann also in dem Moment nichts dafür, ist aber auch zu klein, um zu verstehen, dass das Wasser auf dem Boden gefährlich sein kann und weggewischt werden sollte. Sein Vater kommt kurze Zeit später dazu, sieht das Wasser und die Flasche in der Hand des Jungen, die der Kleine wieder aufgehoben hatte. Er stellt den Jungen sofort unter den Verdacht mit Absicht das Wasser auf den Boden gemacht zu haben und schimpft in relativ lautem Ton mit ihm, warum er denn das Wasser auf den Boden gespritzt hätte, er wüsste dich, dass er mit dem Wasser aus der Flasche nicht spielen soll.

Warum tun wir das? Warum gehen wir immer davon aus, dass unsere Kinder Dinge mit böser Absicht tun?

Die faire und richtige Reaktion des Vaters wäre gewesen den Jungen zuerst zu frsgen, was überhaupt passiert ist und wie das Wasser auf den Boden gekommen ist. Einen anderen Erwachsenen hätten wir vermutlich nicht aus dem nichts heraus beschuldigt, sondern hätten die Frage gestellt, die uns bei unseren Kindern nicht in den Sinn kommt: „Was ist denn passiert?“

Wir sollten im Umgang mit unseren Kindern, vor allem, wenn wir noch nicht so geübt sind im achtsamen Zusammenleben, viel öfter innehalten und den ersten Impuls unserer Reaktion  vorbeiziehen lassen, tief durchatmen und eine bewußte Reaktion zulassen. 

Es ist so schade und tragisch, dass sich der Gedanke, dass Kinder den selben Respekt verdienen wie Erwachsene – sogar ein Recht darauf haben -, so langsam verbreitet… Umso wichtiger ist es, dass jeder jeden Tag alte, völlig überholte Denkmuster aus kinderfeindlichen Zeiten für sich überdenkt und durch ein positives Bild des Kindes ersetzt. Viele vernünftige und renommierte Erziehungsexperten sprechen seit Jahren davon, dass es Zeit ist für einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Kindern in unserer Gesellschaft. Kinder SIND Menschen. Wir müssen sie nicht erst zu richtigen Menschen machen und sie haben ein Recht auf einen gleichberechtigten, fairen Umgang!

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