Achtsam mit uns selbst sein

Gestern habe ich in Jesper Juuls Kolumne einen Satz gelesen, der ein Thema aufgreift, über das ich schon länger schreiben möchte. Er schrieb: „Kinder brauchen nicht so viel Aufmerksamkeit wie sie fordern“ (Link zum ganzen Text hier).

Eltern und meistens Mütter im Speziellen neigen dazu, ihre eigenen Bedürfnisse völlig hinter denen ihrer Kinder anzustellen. Man nimmt sich kaum Zeit für die eigenen Interessen, man schläft zu wenig, selbst die eigene Ernährung steht in der Prioritätenliste eher weiter unten. Dabei haben weder wir noch unsere Kinder etwas davon, wenn wir uns jenseits unserer Belastungsgrenzen bewegen. Denn dann sind wir unzufrieden, leicht reizbar, nur noch minimal stressresistent, und krankheitsanfälliger. Außerdem haben bei andauerndem Schlafentzug wir oft permanent Kopfschmerzen und leiden an depressiven Verstimmungen.

Natürlich wollen wir zu jeder Tages- und Nachtzeit für die Bedürfnisse unserer Kinder da sein. Es soll den Kleinen an nichts fehlen. Ich denke gerade bei Müttern ist dieser Wunsch zu großen Teilen hormongesteuert. Wir sind von Natur aus darauf programmiert uns hinten anzustellen, wenn es um unsere Kinder geht.

Allerdings ist es für unsere körperliche und seelische Gesundheit enorm wichtig, dass wir auch auf uns achten, statt nur auf andere. Es ist wichtig, dass wir uns Hobbies bewahren, denen wir gerne nachgehen. Es ist wichtig, dass wir in Zeiten, in denen das Kind einen schlechten Schlaf hat, Hilfe zulassen und in Anspruch nehmen und wenn möglich den verlorenen Nachtschlaf tagsüber nachholen. Vergesst die Wäsche oder den schmutzigen Boden! Es ist wichtig, dass wir mit dem Partner an einen Strang ziehen und uns absprechen, damit jeder seine für den Geist nötigen Kinderauszeiten wahrnehmen kann. Niemand kann völlig gelassen einen ganzen Tag mit einem schlecht gelaunten Kleinkind hinter sich bringen. Irgendwann ist die Geduld und Gutmütigkeit einfach aufgebraucht. Es ist ok als Mama (oder Papa) auch Momente zu haben, in denen man lieber ohne Kind ist. In denen man von seinem Kind genervt ist und nur noch aus der Wohnung will. Wenn mein Chaoskind einen besonders schlechten Tag hat und ich ihm nichts Recht machen kann, flüchte ich für gewöhnlich sobald mein Mann die Türschwelle überschritten hat. Mit angemessener Verabschiedung, aber ich flüchte. Ich bin davon überzeugt, dass es jeder Mutter und jedem Vater ab und zu so geht. Nur spricht es niemand offen aus, um nicht als Rabenmutter bzw. Rabenvater dazustehen. Denn natürlich kümmern wir uns alle zu 1000% aufopferungsvoll um unser Kind.

Wir sind die Lieblingsmenschen unserer Kinder.

Natürlich fordern Kinder von uns so viel Aufmerksamkeit wie sie nur bekommen können und dahinter steht keine böse Absicht. Wir sind ihre Lieblingsmenschen, sie sind gern mit uns zusammen. Am liebsten eben 7 Tage 24h täglich. Das bedeutet aber nicht, dass sie einen seelischen Schaden davontragen, wenn wir uns auch einmal Zeit für uns selbst nehmen. Ein solches Verhalten unsererseits hat auch mit Authentizität zu tun. Wir vermitteln unseren Kind, dass es ganz menschlich ist, den Wunsch zu haben, auch für sich selbst zu sorgen. Dass die eigene seelische und körperliche Gesundheit wichtig ist.

Dazu gehört unter anderem auch, dass man seinem Kind zeigen darf, wenn man überfordert, müde und energielos ist. Natürlich nie mit erhobenem Zeigefinger a la „Das ist alles deine Schuld“, aber auf diese Weise haben Kinder die Möglichkeit, den Umgang mit negativen Emotionen zu erlernen.
Wer krampfhaft versucht die perfekte Hausfrau und Mutter zu sein, ohne sich selbst Auszeiten zuzugestehen, erleidet meiner Meinung nach in absehbarer Zeit einen Nervenzusammenbruch. Es gibt natürlich immer wieder Mütter, die einem ein schlechtes Gewissen machen, deren Wohnungen nach Museum aussehen und deren Kinder immer schön brav sind. Oder solche, die einen schräg anschauen, wenn sie einen ohne Kind antreffen nach dem Motto: „Wie kannst du dein Kind nur allein (oder in meinem Fall beim Vater) lassen? Es braucht dich doch so sehr!“ (Ich übertreibe an dieser Stelle natürlich bewußt).

Es gibt nicht die perfekte Mutter, es gibt nur die ausreichend gute Mutter. Die Definition von ausreichend bestimmt jede Familie selbst.

Viel wichtiger als die perfekte Ehefrau und Mutter zu sein (das gilt natürlich auch für Ehemänner und Väter), ist es, ein ausgeglichenes, belastbares und positives Individuum zu sein. Das erreicht man, indem man sich Zeit für die eigenen Interessen nimmt.

6 thoughts on “Achtsam mit uns selbst sein

  1. Hallo Denise

    Toller Beitrag! Danke für die ehrlichen Worte. Hättest du nicht Lust ihn etwas umgeschrieben (wegen Doppel content) bei mir auf dem Blog zu veröffentlichen als Gastbeitrag?

    Liebe Grüsse

    Paula

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s