Bitte, Danke und die Achtung der kindlichen Selbstbestimmung

Ein toller Artikel zum Thema „Achtsam um Entschuldigung bitten“ von meingeliebteskind.com hat mich dazu gebracht ein wenig darüber nachzudenken, was es bringt ein Kind dazu zu zwingen Bitte und Danke zu sagen. Wir haben uns, als der Zeitpunkt gekommen war, dazu entschieden unserem Jungen nicht aktiv beizubringen Bitte und Danke zu sagen, weil wir der Meinung sind, dass Kinder das Konzept hinter diesen Worten selbst verstehen lernen müssen und dafür den Raum und die Zeit benötigen. Ein erzwungenes Danke ist schließlich kein ernst gemeintes Danke.

Wo Bekannte von uns ihr Kind bei jeder Gelegenheit dazu aufgefordert haben, eine Willensäußerung doch noch einmal mit dem erforderlichen Zusatz von Bitte zu wiederholen, haben wir die Äußerungen unseres Jungen einfach so stehen lassen, wie sie herauskamen.

Natürlich haben wir uns zwischendurch immer wieder gefragt, ob wir unserem Kind eine wichtige soziale Kompetenz vorenthalten, da er in seinen kindlichen Äußerungen nicht so höflich klang, wie manch anderes Kind. Trotzdem haben wir an unserer Überzeugung festgehalten, dass Kinder durch Nachahmung von allein den Gebrauch bestimmter Höflichkeitsfloskeln erlernen, ohne, dass wir sie dazu hin erziehen müssten.

UND: der Erfolg gibt uns Recht :-). Das Chaoskind beginnt gerade ohne äußere Beeinflussung den Sinn von Danke und Bitte zu begreifen und verwendet beide Worte in seinem aktiven Wortschatz. Ausschließlich durch Nachahmung. Das bestätigt zum einen unser Handeln und zum anderen freue ich mich darüber, dass wir unserem Kind die Möglichkeit gegeben haben, selbst zu entscheiden, wann er Danke und Bitte sagen möchte.

Kinder lernen durch Nachahmung viel mehr, als wir ihnen über jegliche bewusste Beeinflussung ihres Verhaltens jemals beibringen könnten!

Ebenso werden wir es weiterhin zum Beispiel mit der Bitte um Entschuldigung halten. Zwinge ich mein Kind jemand anderes um Entschuldigung zu bitten, wird diese Bitte im Kopf meines Kindes als inhaltslose Floskel abgespeichert. Lasse ich ihm allerdings den Raum und die Zeit zu lernen, was es bedeutet, um Entschuldigung zu bitten, wird er diese Bitten in der Zukunft vermutlich eher ernst meinen und sein entschuldigungswürdiges Verhalten anderen gegenüber eher aufrichtig bereuen.

Letztendlich läuft all dies – wie bei vielen anderen Themen auch – nur darauf hinaus, dass wir und unsere Kinder uns bitte gesellschaftskonform verhalten sollen. Es wird von uns erwartet, dass wir unser Kind dazu anhalten sich zu entschuldigen, wenn es beispielsweise auf dem Spielplatz zu einem Streit kommt. Wer seinem Kind ein Fehlverhalten „durchgehen lässt“, missachtet in den Augen der betroffenen (und umstehenden) Eltern seine Erziehungsaufgabe. In einer solchen Situation ist es unglaublich schwer, diese Erwartungshaltung einfach zu ignorieren und bei sich und seinen Überzeugungen zu bleiben. Zumindest geht es mir oft so. Meine eigene Erziehung gebietet mir Konformität mit gesellschaftlichen Erwartungen. Schaffe ich es nun aber trotzdem meinen eigenen Leitsätzen im Umgang mit meinem Kind treu zu bleiben, gewinne ich an Selbstsicherheit und ermögliche meinem Kind die freie Entscheidung über sein Handeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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