Jenseits der Toleranzgrenze – Stillen über das 2. Lebensjahr hinaus

Wir stillen jetzt im 25. Monat und ich merke, wie selbst die Menschen, die unser Stillen bis jetzt befürwortet haben, ihre Toleranz dafür verlieren. Das ist schade und erhöht den Druck, aber ein Grund aufzuhören ist es nicht.

Die WHO empfiehlt ein Kind 6 Monate voll zu stillen. Bis zum 2. Lebensjahr solle frau dann unter Einführung verschiedenen Lebensmittel weiter stillen und darüber hinaus so lange wie Mutter und Kind es möchten.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht anders aus. Wer nach den ersten 6 Monaten noch voll stillt, nicht bereits seinem Kind irgendeinen Brei verfüttert und langsam Mahlzeit um Mahlzeit ersetzt, wird sehr oft von seinen Mit-Mamas komisch beäugt und als Glucke abgestempelt.

Hierzu möchte ich sagen: bitte macht euch einmal bewußt, was BEIkost bedeutet. Es bedeutet, dass man zusätzlich zur Milch (feste) Nahrung anbietet. Wäre damit gemeint, dass man dem Kind innerhalb von kürzester Zeit das Stillen/die Flasche abgewöhnt indem man so schnell wie möglich Mahlzeiten ersetzt, würde es wohl ERSATZkost heißen.

Stillt man dann nach 12 Monaten immer noch, werden die „Stillst du immer noch?“-Kommentare immer mehr und man wird zunehmend dazu gedrängt, sich für etwas völlig natürliches zu rechtfertigen.

Für das Stillen über das zweite Lebensjahr hinaus scheint es allerdings keine gesellschaftliche Rechtfertigung mehr zu geben. Wird das Kind doch von der Milch, wenn überhaupt noch welche da ist, sowieso nicht mehr satt. Liebe Leute, es geht beim Stillen nicht nur um Ernährung. Ging es noch nie, auch wenn uns die Babypulverindustrie das erfolgreich glauben gemacht hat. Es geht um Geborgenheit, Sicherheit, Nähe, Zuneigung, sich versichern, dass man geliebt wird, Entspannung, Verarbeitung von Eindrücken. All das gebe ich meinem Kind, wenn ich es stille und es tut ihm gut. Die gesellschaftliche Akzeptanz meines Handelns hat dabei keinerlei Gewicht.

Liebe stillende Mamas, es ist euer Leben und es sind eure Kinder. Was für die Erziehung gilt, gilt gleichermaßen auch fürs Stillen. Niemand hat das Recht euch reinzureden. Wenn ihr ein gutes Gefühl dabei habt, tut es einfach, solange euch danach ist! Wenn nicht, ist das auch in Ordnung, aber es muss von euch kommen und nicht, weil ihr euch dazu gezwungen fühlt.

 

Und hier noch ein Appell an all die Leute, die langes Stillen nicht tolerieren oder verurteilen:

Seid doch bitte so nett und zerbrecht euch nicht den Kopf über eine Entscheidung, die ihr nicht treffen müsst! Natürlich dürft ihr euch eine Meinung bilden, aber ihr dürft nicht versuchen mir diese Meinung aufzudrücken. Ebenso wenig habt ihr das Recht mir das Gefühl zu geben, ich würde etwas unnormales tun. Ihr seid nicht einverstanden mit meinem langen Stillen? Das ist ok. Ich bin vielleicht auch nicht einverstanden mit euren Erziehungsmethoden. Trotzdem frage ich nicht zu jeder Gelegenheit „Na, wie lange willst du dein Kind noch dazu zwingen in seinem eigenen Zimmer zu schlafen, obwohl es nachts nach deiner Nähe schreit?“ Dies ist vielleicht meine Meinung, aber ich äußere sie nicht, weil es mir nicht zusteht eure Entscheidung zur familiären Schlafsituation zu verurteilen. Das selbe erwarte ich aber auch von euch. Meinem Kind tut das Stillen gut, ich zwinge es nicht und es fühlt sich richtig an. Es gibt also keinen Grund es nicht zu tun.

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