Die Erwachsenen sind schuld!

Ich mag es nicht, wenn mein Sohn mit meinem Handy spielt. Es ist ein teures, empfindliches Elektrogerät und mein (Medien-) Leben hängt zu großen Teilen davon ab. Würde er es fallen lassen, wäre ich ziemlich aufgeschmissen. Ich möchte hier keine Diskussion über die Abhängigkeit der heutigen Generation vom Handy lostreten.
In meinem Fall läuft einfach viel über dieses kleine Gerät und es wäre schlimm für mich, wenn es kaputt ginge.

Bin ich allerdings einmal unachtsam und lege das Gerät in seiner Reichweite ab, dauert es nicht lange, bis er es entdeckt und sich ein Loch in den Bauch freut „Mama Handy! Mama Handy!“. In diesem Moment ist mein erster Reflex, ihm das Gerät aus den Händen zu reißen, um es vor Schaden zu bewahren. Zum Glück habe ich mich im respektvollen Umgang mit meinem Kind schon soweit selbst umprogrammiert, dass ich dies nicht tue. Denn: Es ist meine eigene Schuld, dass ich das Gerät an genau dieser Stelle abgelegt habe. Ich habe einfach nicht mitgedacht und daher habe ich nicht das Recht ihm das Handy einfach zu entreißen. Zähneknirschend lasse ich ihn also einige Minuten damit hantieren (er ist mittlerweile erstaunlich gewieft im Umgang damit), bleibe aber in unmittelbarer Nähe, um Reaktionsmöglichkeiten zu haben. Nach einiger Zeit bitte ich ihn, mir das Gerät zurück zu geben mit der Erklärung, dass ich es nun wieder selbst brauche und biete ihm Ersatz. Meist funktioniert es auf diese Weise und ich habe nicht einfach meine Macht ausgenutzt.

Dies war ein langer Text, um meinen eigentlichen Punkt zu erklären. Was ich damit hervorheben will: An 99% der Situationen, die mit Konflikten zwischen Eltern und Kind resultieren, sind wir Erwachsenen schuld. Wir machen einen Fehler, sind unaufmerksam oder achten nicht auf die Bedürfnisse des Kindes. Das Kind reagiert auf unser Verhalten, es bedingt es nicht. Es kann nichts dafür, dass ich es zu spät wecke und von ihm erwarte, dass es sich morgens nach meinem Zeitplan richtet. Dass ich zu spät aus dem Haus komme, ist in dieser Situation vorprogrammiert und die Verspätung ist nicht die Schuld meines Kindes.

WIR haben die Erwartung, dass das Kind sich uns anpasst und so funktioniert, wie wir es uns vorstellen und sind sauer, genervt oder enttäuscht, wenn diese Erwartung nicht erfüllt wird. Dabei verhält es sich mit Kindern genauso, wie mit anderen Erwachsenen. Prinzipiell sind wir für unsere Erwartungshaltung selbst verantwortlich. Ein anderer ist nicht schuld daran, dass er/sie unsere Erwartungen nicht erfüllt. Vor allem dann nicht, wenn er sie gar nicht wirklich kennt.

Viele Verhaltensweisen von Kindern lassen sich auf ein Verschulden der Erwachsenen zurückführen. Wenn man sich das bewusst macht, kann man viele Situationen anders interpretieren und unterstellt dem Kind nicht von vornherein eine böse Absicht hinter seinem Verhalten. Ich als Erwachsener kann Situationen und die Folgen meines Handelns abschätzen, Kinder können das bis zu einem gewissen Alter nicht. Daher ist es meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass Konfliktsituationen erst gar nicht entstehen. Kommen sie doch einmal auf, muss ich als Erwachsene mir an die eigene Nase greifen und muss versuchen die Situation so zu entschärfen, dass sowohl meine, als auch die Bedürfnisse meines Kindes berücksichtigt werden.

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