Wenn der Wutzwerg kommt.

Er ist seit ca. zwei Wochen immer häufiger bei uns zu Besuch: der Wutzwerg. Vor allem, wenn etwas passiert, was das Chaoskind absolut nicht möchte, steht er plötzlich im Raum und bleibt bis zu 30 Minuten (diese Zeit ist sicher nach hinten ausdehnbar). Bei seinem ersten Besuch waren mein Mann und ich wirklich ratlos, denn nichts was wir taten konnte ihn besänftigen. Er lag auf dem Boden und schrie und wütete. Bewegten wir uns weg, würde das Geschrei lauter, versuchten wir uns zu nähern, oder gar ihn anzufassen, auch. Ich war sehr geschockt und fühlte mich überfordert und auch etwas verletzt, weil der Zwerg auch nach mir schlug, wenn ich versuchte ihn zu trösten.

Mittlerweile haben wir einiges dazu gelernt im Umgang mit dem kleinen Wutzwerg. Es ist wichtig, dass er seinen Emotionen, die er eigentlich selbst noch nicht verstehen  kann, freien Lauf lassen darf. Es wäre eher kontraproduktiv ein Kind, das seinen Gefühlen Ausdruck verleiht, mit etwas abzulenken. Denn wenn man ein Kind immer versucht von seinen negativen Gefühlen abzulenken, suggeriert man ihm gleichzeitig, dass diese Gefühle unerwünscht sind und es wird ihm auch später schwer fallen diese Gefühle als Teil seiner Identität zu begreifen und zu akzeptieren. Also ließen wir den Wutzwerg erstmal schreien. Zu keinem Zeitpunkt alleine, wir saßen daneben und hörten uns an, was er zu meckern hatte. Allerdings war uns unser passives Verhalten zu wenig und wir suchten nach Möglichkeiten, unserem Kind die Artikulation seiner Wut und Trauer über die Situation zu erleichtern. Was bei uns gut half war, für unseren Sohn das zu tun, was er noch nicht kann. Wir verbalisierten seine Gefühle. Wir sagten also Sätze wie: „Du hast dich sehr darüber geärgert, dass du gerade nicht selbst entscheiden konntest“, „Du bist ganz traurig darüber, dass du gerade nicht das machen konntest, was du wolltest“, „Ich verstehe, dass du sauer bist“. Wenn er sich erst einmal zu Ende mitgeteilt hat, sprich, wenn er fertig ist mit Schreien und bereit dafür, sich trösten zu lassen, hat diese Art des Umgangs gut funktioniert. Allerdings nicht bei jedem Besuch des Wutzwergs.

Noch besser funktionierte es, seine Gefühle aktiv zu spiegeln. Man kommt sich zwar etwas blöd dabei vor, aber bei unserem Sohn wirkt es sehr oft Wunder und wir können den Wutzwerg viel schneller wieder nach Hause schicken. Wir drücken also mit entsprechendem Gesichtsausdruck seine Emotionen stellvertretend für ihn aus. Wir sagen beispielsweise laut und mit wütender Stimmt „Du bist wütend, wütend, wütend“ und hauen dabei mit der Faust auf dem Boden oder Tisch. Wichtig ist hier eigentlich nur, dass man absolut ernst bleibt und die Gefühle des Kindes nicht ins Lächerliche zieht, denn dann erreicht man eher das Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen möchte: das Kind fühlt sich nicht ernst genommen. So blöd ich mir auch dabei vorkomme, an Stelle meines Kindes seine Emotionen auszudrücken, so gut hilft es uns in solchen Situationen.

Am wichtigsten ist aber wohl, sein Kind mit seinen negativen Gefühlen nicht allein zu lassen. Dinge wie die „stille Treppe“ oder ein „geh in dein Zimmer und komm erst wieder raus, wenn du wieder normal bist“ suggerieren dem Kind, dass mit ihm und seinen Gefühlen etwas nicht stimmt. Dass die Eltern es nur um sich haben wollen, wenn es „lieb“ ist und seine Aggressionen herunterschluckt bzw. sich „benimmt“. Natürlich kommt es hier bestimmt auf die Situation und das Alter des Kindes an – unser Kind ist noch nicht ganz in der Trotzphase angekommen – aber man sollte sich immer überlegen, was das trotzige Verhalten beim Kind ausgelöst hat. Denn meistens sind es eben doch wir Erwachsenen, die über den Kopf des Kindes hinweg handeln und dementsprechend respektlos mit unserem Kind umgehen. Dass das Kind sich dann beschwert, ist eigentlich sein gutes Recht und völlig legitim. Oft gibt es noch andere Wege, in bestimmten Situationen zu reagieren, um nicht nur auf unseren Willen zu hören, sondern eben auch die Belange des Kindes miteinzubeziehen. Auf diese Art kann man vielen vermeintlichen Trotzreaktionen des Kindes aus dem Weg gehen und muss den Wutzwerg nicht im Nachhinein besänftigen.

Für mich hat der Umgang mit den negativen Emotionen meines Kindes sehr viel mit Respekt und Gleichberechtigung zu tun. Sowohl in der Prävention solcher Situationen, als auch im Umgang mit ihnen.

Eure Denise ❤

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