Was, wenn Freundschaften an unterschiedlichen Erziehungsmethoden scheitern?

The best way to have a friend is to be one (Ralph Waldo Emerson)

Ich möchte heute versuchen möglichst objektiv über ein Thema zu sprechen, was in meiner Wahrnehmung ein kleines Tabu ist. Und zwar wie man damit umgeht, wenn Freundschaften an unterschiedlichen Erziehungsstilen scheitern. Denn das Thema Erziehung ist hochexplosiv und kaum irgendwo anders gibt es so viele kontrovers diskutierte Fragestellungen, wie hier. Ein typisches Szenario: Man lernt sich im Geburtsvorbereitungskurs kennen, versteht sich richtig gut… und nach der Geburt des Kindes merkt man plötzlich, dass die neu gewonnenen Freundinnen es mit der Erziehung ganz anders halten, als man selbst. Was macht man nun?

Prinzipiell gilt unter Eltern immer der Grundsatz: Leben und leben lassen. Jede Familie hat ihren eigenen Weg, der für sie genau richtig ist, für eine andere Familie aber vielleicht nicht passt. Das bedeutet dann nicht, dass der eine Weg besser oder schlechter ist, als der andere. Allerdings ist es oft so, dass man sich durch den Erziehungsstil des anderen angegriffen fühlt, weil man ja selbst der Meinung ist, man macht es am besten (das gilt für beide Seiten). Damit hängt ein Konflikt über den richtigen Erziehungsstil zwischen den Parteien, der vor sich hin schwelt. Irgendwann gehen einem dann im Normalfall die Gesprächsthemen aus, denn wie soll man mit einer Mutter über das Langzeitstillen sprechen, wenn sie selbst nach einem halben Jahr abgestillt hat, weil sie langes Stillen als unnormal empfindet? Oder was soll man eine Familie zum Thema Kinderschlaf fragen, wenn die Kinder einem Schlafprogramm unterzogen wurden und seither nachts nicht mehr weinen? Über die Probleme von häufigem Aufwachen des Kindes können diese Eltern leider ja nur sehr wenig sagen. Oft schwindet von Seiten der konventionell Erziehenden das Verständnis, wenn man im 13. Monat immer noch stillt und das Kind noch nicht im eigenen Bett im eigenen Zimmer schläft. Ein eben solches Unverständnis empfinden alternativ Erziehende, wenn sie hören, dass der Sohn der Bekannten mittlerweile durchschläft, nachdem man ihn halt mal hat schreien lassen…

Meine Erfahrung hat gezeigt, es bringt nichts, wenn man auf Biegen und Brechen versucht eine solche Bekanntschaft aufrecht zu erhalten, denn man hat irgendwann einfach nichts mehr zu reden und eckt bei zu vielen Themen mit dem Gegenüber an. Es mag fies klingen, aber das beste ist es in einem solchen Fall den Kontakt auf das Nötigste zu beschränken und sich lieber Mütter und Väter zu suchen, die ähnlich ticken, wie man selbst. Als Hardcore Heavy Metal Fan würde man sich vermutlich auch keine Freunde aus der Hip Hop Szene suchen und ähnlich ist es eben auch bei den Erziehungsstilen.

Natürlich kommt es auch darauf an, wie gut man sich kennt, ob man die Thematik anspricht und sich gegenseitig akzeptiert. Es ist immer schwer mit jemandem über seine Erziehungsmethoden zu sprechen, da oft Kritik in solchen Gesprächen mitschwingt bzw. beim Gegenüber ankommt.

Es kann natürlich auch sein, dass man sich gar nicht daran stört und das Thema total pragmatisch sieht. Ich behaupte aber, für jemanden, der sich mit alternativen Erziehungsmethoden beschäftigt, wird es immer schwierig sein zu akzeptieren, wenn Freunde ihre Kinder eher auf konventionelle Weise erziehen, da aus alternativer Sicht die konventionelle Erziehung nicht wirklich artgerecht und auf die Bedürfnisse der Kinder ausgelegt ist.

Mir sind bereits viele viele Mütter begegnet, ob im realen Leben oder virtuell, die sich mit Familienbett, langem Stillen und Bedürfnisorientierung im Freundes- und Bekanntenkreis als Einzelkämpfer fühlen. Findet man in einem solchen Fall keinen Anschluss an Gleichgesinnte, ist man entweder einsam, oder lässt sich zu etwas beeinflussen, wohinter man eigentlich nicht steht. Es ist natürlich immer wichtig, dass man sich selbst und seiner eigenen Intuition treu bleibt und für seine Überzeugungen eintritt. Es gibt heutzutage viele verschiedene Möglichkeiten, sich mit Gleichdenkenden zusammen zu tun. Sei es über Gruppen wie beispielsweise „Öko-Mamis“ oder „Familienbett, Langzeitstillen, Tragen“ auf Facebook, über örtliche Stillgruppen oder Tragetreffs. Man merkt meist recht schnell, wo man sich gut aufgehoben fühlt. Es hat mit ein wenig Mühe zu tun, sich als Neu-Mami einen neuen Mami-Freundeskreis zu suchen und natürlich ist man um jede Bekanntschaft erst einmal froh, aber in einer Zeit, in der man sowieso schon nicht genau weiß, ob man nun alles richtig macht und in der man sich ständig selbst hinterfragt und unsicher ist, sollte man sich in einer Gruppe nicht auch noch als Sonderling fühlen.

Auf keinen Fall möchte ich hier dazu animieren langjährige Freundschaften an einer Erziehungsfrage zerbrechen zu lassen! Ist man lang und gut genug befreundet, kann man über viele Dinge sprechen, oder auch einfach gemeinsam beschließen, dass man Themen, bei denen man partout nicht auf einen Nenner kommt, meidet. In der Regel macht man als junge Eltern allerdings eher neue Bekanntschaften, vor allem, wenn im eigenen Freundeskreis noch nicht viele Kinder haben. In diesem Fall finde ich, sollte man sich mit den Menschen umgeben, die einem gut tun und nicht mit solchen, die dafür sorgen, dass man die eigene Intuition plötzlich hinterfragt und an sich und dem richtigen Umgang mit dem eigenen Kind zweifelt.

Eure Denise ❤

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