Zähne putzen beim Kleinkind

Zähne putzenAls Tochter einer Zahnarzthelferin und Enkel eines Zahnarztes, bin ich mit dem Satz „Hast du schon Zähne geputzt?“ aufgewachsen. Mit ungeputzten Zähnen ins Bett gehen gab es bei uns zuhause nicht. Als Kind fand ich es unwahrscheinlich nervig, heute bin ich meiner Mutter sehr dankbar, dass sie so sehr darauf bestanden hat, dass meine Schwester und ich penibel auf unsere Zahngesundheit achten. Das Ergebnis sind gesunde Zähne ohne nennenswerte Kariesneigung.

Natürlich möchte ich, dass auch mein Sohn gesunde Zähne hat. Aber ich durfte schon feststellen, wie schwierig es ist, einem Baby bzw. Kleinkind zu erklären, dass die Zähne vor dem Schlafen gehen (und am besten auch noch einmal morgens) geputzt werden sollten.

Was ist Karies?

Karies ist eine ansteckende Zahnkrankheit, die von Mensch zu Mensch übertragen wird. Sie wird auch Zahnkaries oder Zahnfäule genannt. Sie entsteht, wenn Stoffwechselprodukte von bestimmten Bakterien den Zahnschmelz angreifen und dadurch den Zahn beschädigen. Dies kann passieren, wenn sich zu viel
 Zahnbelag bildet. Er besteht unter anderem aus Nahrungsresten und Speichelbestandteilen. Bakterien, die im Mund vorkommen, siedeln sich auf dem Zahnbelag an und bilden einen fest haftenden Biofilm, die sogenannte Plaque.

Die Bakterien nehmen Zucker (Kohlenhydrate) aus der Nahrung auf und wandeln ihn in Säure um. Diese greift den Zahnschmelz an und löst Mineralien wie Kalzium aus diesem heraus. (http://www.apotheken-umschau.de/Karies)

Dass Karies eine Infektionskrankheit ist, ist auch der Grund dafür, dass man bei kleinen Babys beispielsweise nicht den Löffel ablecken sollte als Erwachsener. Man übergibt dem Kind damit bereits sehr früh die Karies verursachenden Bakterien. Bei fremden Kindern sollte man gänzlich darauf verzichten etwas zu tun, was die eigenen, familienfremden Bakterien an die Kinder weitergibt.

Wie kriege ich mein Kind denn jetzt zum Zähne putzen?

Als Mutter hat man große Angst vor Karies beim Kind. Man versteift sich darauf, dass das Kind auf jeden Fall jeden Abend seine Zähne putzen muss. Ohne wenn und aber. Ging es bei uns mal einen Abend nicht, fühlte ich mich schlecht. Also versuchten wir die Variante „entweder freiwillig oder mit Festhalten“. Das war allerdings für mich ganz furchtbar (ganz zu schweigen davon, wie furchtbar es für unseren Sohn hatte sein müssen) und fühlte sich grundlegend falsch an. Ich konnte mir dabei richtig vorstellen, wie sich in seinem kleinen Gehirn festsetzt: „Mama tut das gegen meinen Willen. Es fühlt sich ganz schrecklich an“. Wie soll er da jemals lernen, das Zähneputzen zu mögen und es freiwillig zu machen?

Singen, kleine Spiele mit der Bürste spielen, Ablenken, all die Tipps und Tricks, die man so liest, hatten bei unserem Chaoskind leider absolut keinen Erfolg. Also mussten wir uns etwas anderes überlegen.

Wir sind dann dazu übergegangen, ihn erst selbst putzen zu lassen. Hat er dann einige Zeit die Zahnbürste im Mund gehabt, nehme ich ihn auf den Schoß, so dass er mich anschauen kann, und er darf auch mir die Zähne putzen. Währenddessen lässt er es dann zu, dass ich ihm ebenfalls in Windeseile die Zähne sauber mache. Ja, das Zeitfenster ist recht klein, aber ich finde, dass man auch in kurzer Zeit ordentlich putzen kann. Ich achte dabei darauf, dass ich auch die Innenseiten der Schneidezähne gut putze.

Wir machten anfangs den Fehler, dass wir nicht zusammen mit dem Kleinen die Zähne putzten. Denn wir Erwachsenen wollten ja noch nicht ins Bett. Das war von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn unser Kleiner mag nichts so sehr wie gemeinsame Rituale. Also begannen wir, alle gemeinsam zu seiner Schlafenszeit die Zähne zu putzen und es funktionierte. Er war viel kooperativer und in der Kombination mit dem gegenseitigen Putzen, klappt es bis heute sehr gut.

Entscheidend ist bei unserem Jungen auch der Zeitpunkt des Zähne putzens. Ist er bereits zu müde, können wir es vergessen. Es gilt also, nicht erst kurz vorm zu Bett gehen das Putzritual zu starten, sondern mindestens 15-20 Minuten eher.

An manchen Tagen will er aber einfach nicht, da lassen wir ihn in Ruhe. Alle fachkundigen Menschen in meiner Umgebung versicherten mir, dass es schlimmer ist, das Kind zum Putzen zu zwingen, als wenn mal ein paar Tage keine Zähne geputzt werden (Voraussetzung: wenig bis kein Zuckerkonsum). Also nehme ich die ungeputzten Tage jetzt gelassen hin, denn eigentlich ist es nur mein Zahnputzdrang gewesen, der mich so nervös gemacht hat, jedesmal, wenn er mal nicht geputzt hatte.

Wie oft sollte man putzen?

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass es prinzipiell reicht, wenn man dem Kind einmal am Tag gründlich die Zähne putzt und ansonsten dem Kind das Putzen nach den Mahlzeiten und morgens selbst überlässt. Das gilt allerdings nur für Familien, die nicht allzu sehr zur Kariesbildung neigen. Habt ihr in der Familie sowieso schon „schlechte“ Zähne, solltet ihr versuchen eurem Kind zweimal täglich gut die Zähne zu putzen und ihm nicht allzu viele Süßigkeiten geben.

Kommt Karies eher wenig vor in eurer Familie, bleibe ich bei meiner Behauptung. Mir hat mein Leben lang das sehr gründliche Putzen abends gereicht.

Zahnpasta oder nicht?

Die allerersten Zähne haben wir nur mit Wasser geputzt, aber seit das Chaoskind ca. 1 Jahr alt ist, benutzen wir bei ihm auch Zahnpasta. Die Frage ob man Fluorid gibt oder nicht, muss jede Familie für sich selbst beantworten. Fragt man 4 Ärzte, erhält man 4 verschiedene Meinungen dazu und es ist auch egal, ob es Zahn- oder Kinderärzte sind. Die einen sagen „Bloß kein Fluorid“, die anderen schwören darauf. Wir haben uns gegen Floretten entschieden und verzichten auch vorerst auf Zahnpasta mit Fluorid beim Sohnemann. Eine eigene Kinderzahnpasta hat er nicht. Würde er auch nicht wollen, die benutzen Mama und Papa ja nicht…

Eure Denise ❤

One thought on “Zähne putzen beim Kleinkind

  1. Hallo du Liebe,
    jetzt habe ich endlich mal Zeit gehabt, einen deiner schönen Texte in Ruhe zu lesen 😉
    Was du da übers Zähneputzen schreibst kann ich nur bestätigen. Unsere Kleine haben wir auch ab der Zeit, als sie alles alleine machen wollte 😉 selbst putzen lassen und dann schnell nachgeputzt. Wir haben auch immer mit ihr gemeinsam die Zähne geputzt und sie durfte uns auch die Zähne putzen 🙂 Das war bzw. ist immer ein Spaß.
    Jetzt ist sie 19 Monate alt und stapft schon selbst ins Bad und will Zähne putzen 🙂 Ganz freiwillig, ohne Schreien und Weinen.
    „Erziehung durch Vorbild sein und Miteinander leben“ nannte das eine liebe Bekannte mal und ich finde das ist eine sehr schöne Beschreibung 🙂
    Herzliche Grüße
    Karina

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