Vorstellungen, die man vom Kinder haben hat, solange man kinderlos ist

Als ich noch keine Kinder hatte, hatte ich eine ganz genau Vorstellung davon, wie ich meine Kinder erziehen würde. Gut erzogen sollten sie sein, immer schön hören, wenn man ihnen etwas sagt, nicht mit Gegenständen werfen und natürlich ganz artig im eigenen Bett schlafen. Liebe Freunde, das war ganz eindeutig eine Illusion! Denn jede einzelne Vorstellung, die ich vom Kinder haben hatte, hat sich als falsch, naiv oder schlichtweg nicht umsetzbar erwiesen. Ich will euch mal erzählen, welche realitätsfernen Ansichten ich so hatte:

Das Kind schläft spätestens mit 6 Monaten im eigenen Bett.

Ich hatte die schöne Vorstellung, dass unser Sohn die ersten 6 Monate in der BabyBay neben mir schlafen würde und dass wir ihn dann in sein eigenes Bett im Kinderzimmer legen würden. Nun, hier handelt es sich tatsächlich um etwas, was man selbst beeinflussen kann, allerdings kam ich mir vor wie die letzte Rabenmutter, wenn ich auch nur daran gedacht habe, ihn aus unserem Schlafzimmer auszuquartieren und ihn in ein dunkles Zimmer zu legen, wo er die Nacht ganz mutterseelenallein verbringen müsste. Vielleicht waren es die Hormone, vielleicht bin ich auch einfach eine Glucke, aber ich habe es nicht übers Herz gebracht ihn in einem anderen Zimmer schlafen zu lassen. Ich fand es gemein und außerdem war es viel zu schön, dass er so friedlich neben mir/auf mir schlief. So konnte ich ihn im Schlaf beobachten, konnte ihn atmen hören und wusste, wenn etwas ist, wäre ich sofort für ihn da. Meinen Mann verbanne ich ja auch nicht aus dem Schlafzimmer, damit er endlich lernt selbstständig zu sein :-P.

Das Kind wird mit spätestens 1 Jahr abgestillt, besser eigentlich nach 6 Monaten

Wenn man schwanger ist und eventuell Freundinnen hat, die schon Kinder haben, hört man relativ häufig, dass sie ein halbes Jahr gestillt haben und dann mit der Einführung der Beikost anfingen abzustillen und eventuell sogar aufs Fläschchen umgestiegen sind. Diese Vorstellung hatte ich zunächst auch. Bis ich mir nach der Geburt näher Gedanken zum Thema Stillen und Fläschchen gemacht habe. Sehr schnell stellte sich mir folgende Frage: Warum, in drei Gottes Namen, sollte ich denn nach nur 6 Monaten von der unkompliziertesten Art der Babyernährung der Welt auf ein System aus künstlicher Nahrung und künstlichem Nippel umsteigen?!?!?! Es ist so viel umständlicher, nicht zu 100% auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt (Pulvermilch basiert auf Kuhmilch) und dazu durch den ganzen Plastikkram auch noch ungesünder. Ok, der letzte Punkt ist wahrscheinlich nicht für jeden ein Grund, aber man sollte trotzdem zustimmen, dass nichts künstlich hergestelltes besser sein kann, als das Original. Und das Original ist nunmal die Muttermilch.

All die Menschen, die das Stillen sexualisieren, und dadurch Mütter über den dadurch entstehenden gesellschaftlichen Druck  zum Abstillen nötigen, sind für mich absolut armselig und keine Diskussion wert. Stillen ist das natürlichste der Welt und die weibliche Brust wurde nicht für den Mann zum anfassen gemacht, sondern um die Nachkommen zu nähren. Das ist ein Fakt. Wer stillen eklig findet, weil man dabei möglicherweise einen halben Quadratzentimeter Brust sehen kann oder denkt, dass Langzeitstillende das ja nur für den eigenen Lustgewinn machen, der möge sich an die Kassenärztliche Vereinigung wenden. Die empfehlen Psychiater.

Mein Kind wird spätestens nach 6 Monaten durchschlafen

Tja, diese wirklich sehr unrealistische Vorstellung hatte ich tatsächlich mal. Heute, nach 19 Monaten schlafloser Nächte, weiß ich es besser. Ich hatte als Jugendliche bei meinem Babysitter-Kind bereits von dem tollen Wunderbuch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ gehört und war mir natürlich sicher, dass ich so auch mein Kind zum Durchschlafen kriegen würde. Nun, bis ich selbst ein Kind hatte und mich mit diesem furchtbaren, scheinbar von einer Kinderhasserin verfassten Buch näher befasst habe. Es ist mir immer wieder ein Rätsel, wie dieses Buch so in Mode kommen konnte. Es muss wirklich viele verzweifelte Eltern gegeben haben, die einfach so sehr vom Schlafentzug gequält wurden, dass sie einfach keinen anderen Ausweg sahen, als ihr Kind nach der Anleitung in diesem Buch zu „behandeln“. Für alle, die es nicht wissen, die Autorin empfiehlt ein Kind einfach weinen zu lassen, bis es schläft. Sie nennt das ganze „kontrolliert“, weil man ab und zu das Kinderzimmer betritt und dem Kind versichert „Ich bin noch da“, aber meines Erachtens richtet man damit genauso viel Schaden an, als wenn man das Kind einfach sich selbst überlässt. Denn, das Zimmer zu betreten, das (panisch weinende) Kind aber nicht aus dem Bett zu nehmen (ein Gitterbett wohlgemerkt, aus dem das Kind sich nicht mal selbst befreien kann), hat für mich etwas von Kaltherzigkeit. Beim Kind kommt an: „Ich sehe, dass du ein Bedürfnis hast, aber ich tue nichts, um dieses Bedürfnis zu stillen. Es ist mir egal, dass du weinst.“ Möchte ich das meinem Kind vermitteln? Ganz sicher nicht!

Grundsätzlich ist hier auch wieder die gesellschaftliche Vorstellung das Problem. Wäre allgemein bekannt, dass ein Kind allein schon von seiner Gehirnentwicklung her gar nicht durchschlafen kann, würde man vielleicht nicht so viel Wert aufs Durchschlafen legen. Oder würde nicht leichthin immer wieder diese Frage stellen „Schläft er/sie schon durch?“ Natürlich, es ist Small Talk und klar, man meint es nicht böse, aber trotzdem setzt sich in den Köpfen fest, dass ein Kind, das nicht nach spätestens einem Jahr durchschläft, ganz sicher ein Schlafproblem haben muss, was de facto aber nicht so ist. Es ist ein Phänomen, wie sich immer nur falsche Informationen hartnäckig in den Köpfen halten.

Es gibt sicher Kinder, die nach den ersten Monaten annähernd durchschlafen, aber es gibt eben auch Kinder, die brauchen nachts die Versicherung, dass die Bezugspersonen noch da sind, die vielleicht auch einfach Durst haben und die eben mehrmals in der Nacht aufwachen. Wer ein solches Kind hat – und wir haben eines – dem kann ich nur sagen: haltet durch, es wird vorbei gehen. Ich jedenfalls bin mir ganz sicher, dass er irgendwann nicht mehr so schlecht schlafen wird. Vielleicht hat er aber auch mein Schlafverhalten geerbt und hat einfach einen leichten Schlaf und wird schnell und häufig wach. Dann muss ich wohl oder übel damit leben. Fest steht, ich würde meinem Kind niemals ein Schlaftraining antun. Dafür habe ich viel zu hart daran gearbeitet, dass er mir blind vertraut und meine Liebe als bedingungslos erlebt. Da werde ich einen Teufel tun und dieses Vertrauen kaputt machen, indem ich ihn nachts einfach im Stich lasse.

Mein Kind wird sich nicht schreiend auf den Boden werfen, weil es etwas nicht bekommt/will

Hm, leider wird das jedes Kind irgendwann tun. Und das ist auch gut so. Denn die sogenannte Trotzphase (eine in sich bereits negativ behaftete Bezeichnung) ist ein normaler Entwicklungsschritt bei Kindern rund um das 2. Lebensjahr. Ein Kind „trotzt“ nicht aus Bösartigkeit. Nie. Es sei denn, es hat die Bösartigkeit in seiner Umgebung so gelernt. Und dann ist nicht das Kind Schuld, sondern die Erwachsenen, die die Bösartigkeit vorgelebt haben (Ich spreche hier nicht von pathologisch auffälligem Verhalten, es soll auch soziopathische Kinder geben, für diese kann ich natürlich nicht sprechen, da ich deren Entwicklung nicht gut genug kenne).

Mein Kind wird auch mal schreien gelassen, schließlich muss es lernen, dass sich nicht alles immer nur um es selbst dreht

Ähm, ja, das dachte ich wirklich mal… wenn ich das meinen Freundinnen heute erzählen würde, wäre es mir peinlich. Daher tue ich es nicht. Es ist furchtbar sein Kind schreien zu lassen, nur um die eigene Macht zu demonstrieren. Denn es ist nichts anderes. Sobald man den Satz „Er/Sie muss mal lernen, dass…“ verwendet, hat man sehr wahrscheinlich gerade seine Macht dem Kind gegenüber ausgenutzt. Eine Macht, gegen die das Kind nie etwas ausrichten kann und der es ausgeliefert ist. Man hat als Erwachsener nichts dafür getan, sich diese vermeintlich übergeordnete Stellung zu verdienen. Ich möchte meinem Kind gegenüber nicht willkürlich erscheinen und ihm auch nicht das Gefühl geben, dass es mir „gehorchen“ muss, nur weil ich größer und stärker bin als es selbst. Ich möchte prinzipiell nicht, dass es gehorcht, sondern dass es mit mir zusammenarbeitet. Als Team (So ist zumindest meine Vorstellung von unserer Beziehung. Ich hoffe, er sieht das in ein paar Jahren auch noch so). Deswegen lasse ich mein Kind auch nicht schreien. Es sei denn, es schreit vor Wut und signalisiert mir, dass ich es in Ruhe lassen soll.

Ich werde nicht zu den Mamis gehören, die ihrem Kind immer alles erklären müssen

Jetzt weiß ich: doch, das werde ich. Denn ein neugieriges, wissbegieriges Kind hat ein Recht darauf, dass man ihm erklärt, warum es etwas machen soll oder nicht darf. Meinen Mann zerre ich ja auch nicht einfach zur Tür raus, wenn ich etwas vor habe, sondern ich sage ihm, wohin wir gehen und warum. Ich finde, auch Kinder haben als vollständige Personen ein Recht auf diese Information. Hier kommen wir wieder zu einem gesellschaftlichen Problem, denn leider zählen Kinder in unseren Breitengraden nicht gerade als vollständige Menschen. Was sehr kurzsichtig gedacht ist, denn natürlich wird jemand, der sich nicht respektiert fühlt und permanent bevormundet wird, irgendwann aufbegehren. Aber ist es für alle Beteiligten immer total verwunderlich, wenn vollkommen unterdrückte, nicht ernst genommene Kinder irgendwann aufmüpfig werden. Ich würde das auch, wenn mein Chef mich nicht ernst nehmen würde und ständig über meinen Kopf hinweg entscheiden würde. Kein Mensch möchte das. Daher gehöre ich zu den Muttis, die ihrem Kind Dinge erklären und nicht versucht ihm dauernd den eigenen Willen aufzudrücken. Und ich fahre gut damit. Mein Kind kooperiert – Jesper Juul würde sich freuen das zu lesen :-). Natürlich funktioniert das nicht in jeder erdenklichen Situation, aber ich bin immer bemüht darum, dass mein Sohn sich von mir respektiert fühlt. Und wenn dann eine Omi neben mir die Augen rollt, wenn ich ihm, statt es ihm einfach aus der Hand zu reißen, erkläre, warum er das tolle Auto im Buchladen nicht mitnehmen kann, dann soll sie die Augen rollen. Vielleicht kann sie das ja als Sport im Gesicht verbuchen oder so.

Ich denke, ich werde diese Liste noch erweitern können, da sich wie gesagt alle meine Vorstellungen übers Kinder haben als grundlegend falsch herausgestellt haben. Meinen kinderlosen Freunden kann ich nur sagen (und ich meine das nicht böse): Man kann leider per definition nicht mitreden, wenn man nicht selbst ein Kind zuhause hat. Es gibt einfach zu viele Dinge, bei denen man von gesellschaftlichen Vorstellungen beeinflusst ist und die man erst beurteilen kann, wenn man sie selbst erlebt hat. Daher urteilt nicht über eure Freunde und Bekannten mit Kindern, denn ihr werdet noch feststellen, jede Familie hat ihre Art, wie sie zurecht kommt und miteinander umgeht und es steht niemandem zu, darüber zu richten. Und es ist wirklich überaus anstrengend, wenn man immer mit Menschen redet, die es besser wissen, als man selbst. Es reicht schon, wenn sich die Eltern gegenseitig kritisieren.

Eure Denise ❤

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s