Stillen und Arbeiten

Die diesjährige Weltstillwoche in der 40. Kalenderwoche steht ganz im Zeichen des Stillens bei Berufstätigkeit. Durch Zufall habe auch ich mich gerade mit diesem Thema beschäftigt und möchte euch gerne ein paar wichtige Tipps geben und erzählen, wie ich Stillen und Job unter einen Hut bringe.

Der Wiedereinstieg in den Beruf und Stillen schließen sich nicht gegenseitig aus. Ich bin nun seit August diesen Jahres wieder im Job und mein Sohn und ich stillen nach wie vor ohne Probleme. Solange er in der Kita ist, weiß er, gibt es eben keine Milch. Dafür möchte er aber dann stillen, sobald ich die Kita-Gruppe betrete :-).

– Gesetzliche Grundlagen zum Stillen während der Arbeitszeit  –

Jeder stillenden Mutter, egal wie lange bereits gestillt wird, stehen gesetzlich Stillpausen zu. Zweimal 30 Minuten pro Tag. Arbeitet die Mutter mehr als 8 Stunden am Stück, hat sie sogar Anspruch auf zweimal 45 Minuten. Viele Mütter werden nicht die Möglichkeit haben, innerhalb dieser Zeit zu ihrem Kind zu fahren und es zu stillen. Allerdings darf man die Stillpausen auch zum Abpumpen von Milch verwenden. Dies ist alles festgehalten im Mutterschutzgesetz §7. §9 des Mutterschutzgesetzes sagt außerdem, dass stillende Mütter weder schwere körperliche Arbeit verrichten dürfen, noch ist es ihnen zuzumuten Nachtschichten zu machen.

– Vorteile von Stillpausen –

Das Einräumen von Stillpausen hat auch für den Arbeitgeber einige Vorteile. Zum einen sind gestillte Kinder nicht so häufig krank wie nicht gestillte Kinder. Damit fällt die Mutter eines gestillten Kindes tendentiell weniger aus. Außerdem erhöht es die Mitarbeiterzufriedenheit und damit auch die Produktivität der Mutter, wenn sie Stillpausen einlegen kann. Ist der Arbeitgeber in dieser Hinsicht offen und flexibel, kann er sich der Loyalität seiner Arbeitnehmerin lange über die Zeit des Stillens hinaus sicher sein.

Die Vorteile für die Mutter liegen auf der Hand. Sie hat trotz des Wiedereinstieges in den Beruf die Möglichkeit, die Stillbeziehung zu ihrem Kind aufrecht zu erhalten und hilft ihm so auch über die schwere Zeit der Eingewöhnung in Kita oder bei der Tagesmutter hinweg. Ich denke, der emotionale Wert des Weiterstillens ist nicht zu unterschätzen, denn eine Mutter, die gezwungenermaßen die Stillbeziehung zu ihrem Kind beenden muss, wird seelisch einige Zeit darunter leiden oder vielleicht gar nicht darüber hinweg kommen, je nachdem wie wichtig ihr diese innige Beziehung war. Außerdem weiß die Mutter, dass ihr Kind auch weiterhin die körperliche und seelische Nahrung bekommt, die es braucht.

– Was gilt es zu beachten? –

Wichtig ist, dass man seinem Arbeitgeber im Vorfeld des Wiedereinstieges Bescheid gibt und möglicherweise gemeinsam mit dem Vorgesetzten ausarbeitet, wie genau die Stillpausen gestaltet werden. Es sollte festgelegt werden, ob das Kind zum Stillen in den Betrieb gebracht wird, oder man selbst zum Kind nach Hause/in die Kita fährt. Ebenso könnte man vereinbaren, dass die Stillzeiten am Anfang oder am Ende der Arbeitszeit liegen oder dass man sich in einen geeigneten Raum zum Abpumpen zurückzieht.

– So läuft es bei mir –

Da das Chaoskind tagsüber nicht mehr auf Muttermilch angewiesen ist, habe ich persönlich mich dafür entschieden, die Stillpausen nicht in Anspruch zu nehmen. Mein Sohn ist aber auch schon älter als 12 Monate und für ihn bedeutet das Stillen mehr Nähe und Geborgenheit, als Nahrung, so dass ich mir was seine Ernährung angeht keine großen Sorgen machen muss. Außerdem arbeite ich auch „nur“ 20 Stunden in der Woche und halte die Länge der Trennung für vertretbar. Es kommt auch so im Alltag bei uns vor, dass der Kleine nur 2 Mal am Tag stillen möchte, auch wenn er nicht durch meine Abwesenheit dazu gezwungen wird.

Ich stille ihn im Normalfall noch einmal bevor ich morgens früh das Haus verlasse gegen halb 7. Wenn er nicht sowieso kurz vorher wach war und trinken wollte, lege ich ihn im halb wachen Zustand an. Er trinkt dann ein wenig Milch und schläft danach gleich weiter, bis der Papa ihn zum Aufstehen weckt. Mir ist es sehr wichtig, dass er morgens noch einmal stillen darf, denn wenn ich aufstehe während er schläft und dann einfach so das Haus verlasse, habe ich mich ohne Verabschiedung weggeschlichen und dabei fühle ich mich sehr schlecht.

Die Zeit auf der Arbeit lässt sich für mich wunderbar ohne Stillen überbrücken, ich hatte aber auch nie Probleme mit auslaufender Milch. Wenn eine stillende Mutter diese Probleme hat, sollte sie unbedingt auf die gesetzlichen Stillpausen bestehen und in dieser Zeit etwas ausstreichen oder abpumpen, um einem Milchstau vorzubeugen.

Wie oben schon erzählt, besteht das Chaoskind dann nach meiner Ankunft in der Kita auf sofortiges Stillen, noch bevor ich ihn anziehen kann. Diese Zeit plane ich dann vor dem Nachhauseweg ein. Zuhause angekommen holt er sich dann auch noch den letzten Rest Nähe und Geborgenheit und ist dann wieder zu allen Schandtaten bereit.

Für mich haben sich der Wiedereinstieg in den Beruf und das Stillen nie gegenseitig ausgeschlossen. Auch, wenn ich von vielen Seiten gefragt wurde, ob mein Wiedereinstieg denn nicht der richtige Moment fürs Abstillen sei – 18 Monate stillen sei ja schließlich mehr als genug – stand für mich immer außer Frage, dass ich meinen Jungen solange stille, wie er und ich es möchten und dass keine äußeren Umstände diese Entscheidung beeinflussen würden.

Solltest du Fragen zum Thema Stillen und Arbeiten haben, melde dich bitte bei mir unter denise@kidzchaos.com. Ich versuche dann gerne dir behilflich zu sein, dass auch du Stillen und Berufstätigkeit bestmöglich miteinander vereinbaren kannst. Weitere Hilfestellung können dir außerdem die Stillberaterinnen der AFS geben. Auch dort kennt man sich hervorragend mit dem Thema Stillen und Berufstätigkeit aus.

Eure Denise ❤

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