Ist ein Kaiserschnitt keine richtige Geburt?

Das Thema wird in den sozialen Medien immer wieder heiß diskutiert und Menschen, die eigentlich auf der selben Seite stehen, weil sie nämlich alle Mütter sind, greifen sich gegenseitig an. Die einen stellen sich über die anderen. Es wird behauptet, Mütter, die ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt bringen, hätten keine richtige Geburt erlebt. Von Müttern zweiter Klasse ist gelegentlich die Rede.

Diese Diskussionen stimmen mich immer sehr sehr traurig. Natürlich auch, weil ich selbst einen Kaiserschnitt hatte, aber vor allem, weil ich mich immer frage, warum man sich nicht gegenseitig Mut zuspricht? Mütter sind in unserer heutigen Gesellschaft sowieso schon viel zu oft gering geschätzt, da müssten wir eigentlich alle zusammenhalten. Stattdessen hacken wir lieber gegenseitig auf uns rum und empfinden Genugtuung, wenn eine andere Mutter sich minderwertig und schlecht fühlt.

Ich möchte daher heute Partei für alle Kaiserschnitt-Mamas ergreifen. Ein Kaiserschnitt ist vom Prinzip her erstmal eine Geburt, wie jede andere auch. Es ist vielleicht nicht genau so von der Natur vorgesehen, aber es gibt diese Art von Geburt auch schon seit Menschengedenken. Wir müssen in unserer heutigen Zeit einfach nur keine Angst mehr haben, dass unsere Kinder ohne Mutter aufwachsen müssen, nur weil wir sie per Kaiserschnitt zur Welt bringen müssen (oder vielleicht auch wollen) und dafür bin ich sehr sehr dankbar.

Wer behauptet, nur wer richtige Wehen hatte, hat auch wirklich eine Geburt erlebt, der hatte noch keine Wundschmerzen nach einem Kaiserschnitt. Die Nachwehen sind nach einer Sectio beispielsweise viel schmerzhafter, da die Gebärmutter zusätzlich zu den Wehenschmerzen auch noch eine Wunde hat, die die Schmerzen noch verschlimmert. Außerdem haben auch Mütter, die einen Kaiserschnitt hatten die selbe Hormonausschüttung nach der Trennung vom Kind. In meinem Fall war zum Beispiel der Milcheinschuss nur einen Tag verzögert im Vergleich zu den Müttern die auf meiner Station vaginal entbunden hatten.

Beide Arten der Geburt, sowohl die vaginale, als auch der Kaiserschnitt, haben ihre Berechtigung und haben für das Kind ihre Vor- und Nachteile. Gibt es für das Kind beim Kaiserschnitt kaum medizinische Risiken, fehlt hier doch die Vorwarnung für das Baby, dass es nun losgeht, die es durch die Wehen normalerweise bekommt. Andererseits kann man sagen, dass es für ein Baby auf dem Weg in die Welt sicher auch nicht angenehm sein kann, wenn es stundenlang im Geburtskanal feststeckt. Auch hier entstehen sicherlich kindliche Geburtstraumata, wie sie beim Kaiserschnitt auch vorkommen.

Ob die Mutter ein Geburtstrauma von einem Kaiserschnitt erleidet, kann man pauschal nicht sagen. Sicher ist es für jede Frau, die sich auf eine normale Geburt eingestellt hat, ein ganz furchtbares Erlebnis einen Notkaiserschnitt über sich ergehen zu lassen. Genauso kann es aber auch zu einem Trauma kommen, wenn es während der vaginalen Geburt zu einem Stillstand kommt und Saugglocke oder Geburtszange verwendet werden müssen, oder die Schmerzen einfach sehr groß sind, der Geburtsfortschritt aber klein. Meiner Meinung nach entstehen im Vergleich zu einer vaginalen Geburt durch einen Kaiserschnitt nicht grundsätzlich Traumata, vor allem dann nicht, wenn man als Frau genügend Zeit hat, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Meinem Verständnis nach ist ein Kaiserschnitt ebenso eine Geburt wie die vaginale Variante, denn das Ergebnis beider Vorgänge ist der selbe: man hält überglücklich sein Baby im Arm.

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